Kirche im SWR

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Hallo, wir sind die ökumenische Rundfunkarbeit der Kirchen beim SWR. *Netiquette*

Auf unserer Seite teilen wir Gedanken unserer Autor*innen von Kirche im SWR.

Bei uns findet Ihr das Leichte ☀️ und das Schwere⚓, das Banale 🍝, das Komplizierte🤯 - einfach was vom Leben ❤. Wir freuen uns, wenn Ihr uns zurückmeldet, was euch bewegt, was euch gefällt und wo ihr nicht übereinstimmt. Als ökumenisches Angebot ist uns daran gelegen, dass hier eine große Bandbreite des christlichen Glaubens zum Ausdruck kommen kann und verschiedene Ausprägungen von Spiritualität i

18/06/2026

„Wer Angst hat, hat Zukunft.“ Das sagt der Psychotherapeut Gunther Schmidt. Erst einmal klingt das seltsam. Wer Angst hat, der sorgt sich doch vor der Zukunft. Vor allem, was ihm in Zukunft passieren könnte.
Ich sorge mich zum Beispiel darum, dass mein Sohn seine lange Fahrradtour gut übersteht und er keinen Unfall hat. Immerhin macht er sich auf den Weg über die Alpen und dann durch die Berge auf dem Balkan bis nach Griechenland. Dabei wird er nicht nur viel auf Landstraßen zwischen all den Autos fahren, sondern auch wilden Hunden ausweichen müssen.
Ich habe auch immer Sorge, wenn eines meiner Kinder nachts alleine unterwegs ist. Sorgen entstehen, weil ich mir nicht sicher bin über die Zukunft, weil ich Befürchtungen habe, dass etwas Negatives, etwas Schlechtes geschieht, oder ich unsicher bin, wie es weiter geht.
„Wer Angst hat, hat Zukunft.“ Als ich diesen Satz das erste Mal gelesen habe, habe ich gedacht: „Ach, da macht es sich der Autor ganz schön einfach.“ Aber mittlerweile denke ich: „Das ist eigentlich eine ganz charmante Aufforderung.“
Und so kann ich wieder freier Denken und kann Vor- Sorge treffen. Vor Sorge - ein wundervoller Begriff: vor zu sorgen also tätig zu werden vor der Sorge.
Ich habe meinem Sohn zum Beispiel vor seiner Fahrradtour gebeten, auf jeden Fall immer einen Helm zu tragen. Als Vorsorge.
Und wenn unsere Kinder nachts unterwegs sind, dann geben wir ihnen mit auf den Weg: Ihr dürft Euch jederzeit bei uns melden wenn irgendwas nicht okay ist – egal wie spät es ist. Und wenn mich dann trotzdem Sorgen quälen – und das passiert natürlich auch - hilft mir ein Satz aus der Bibel: Alle Sorge werft auf Gott, denn Gott sorgt für euch. (1. Petrus 5,7).
Wenn ich alle Vorsorge getroffen habe, dann darf ich den Rest Gott übergeben. Dann habe ich das menschlich mögliche getan und alles andere liegt nicht in meiner Hand. Ich halte diesen Umgang mit Sorgen, nach der Vorsorge, für sehr klug. Denn so kann ich nachts besser schlafen und die Sorge überfordert mich nicht. Und ihnen wünsche ich heute einen sorgenfreien Tag voller Zukunft.

/ Florian Gärtner mit „Wer Sorge hat …„in SWR1 Anstöße RP

17/06/2026

Unkrautrupfen im Garten oder es zwischen den Pflastersteinen rauskratzen. Das ist ja wirklich der letzte Job, trotzdem muss es ab und zu sein, finde ich.
Und genau in dem Moment kommt meine Cousine vorbei und sagt: „Hey, der Löwenzahn hat doch so viel Power, lass ihn stehen!“ Sie liebt alles, was mit Pflanzen zu tun hat, und kennt sich super aus. Deswegen hat sie mir gleich erklärt, was so ein Löwenzahn leistet, damit er durch zwei Pflastersteine durchkommt. Und dass er das nur dank dem „Turgoreffekt“ schafft. Turgor kommt vom lateinischen „turgere“, was so viel heißt wie „prall sein“. Viele Pflanzen können in ihren Zellen einen so hohen Druck aufbauen, dass sie noch durch die engsten Stellen durchkommen und dann auch noch aufrecht ihre Blütenstängel nach oben strecken.

Seit ich das weiß lasse ich den Löwenzahn manchmal ein bisschen länger stehen, freue ich mich am Turgor-Effekt, und weiß genau: so eine Kraft brauche ich auch!
Wenn es mich schier zwischen zwei Streithähnen zerreibt und ich doch versuche ein bisschen Platz zwischen den beiden zu schaffen. Oder wenn in meinem eigenen Kopf eine festgefahrene Meinung scheinbar alles zubetoniert. Wenn mich dann jemand davon überzeugt, dass es anders ist als ich dachte.
Was für ein Gottesgeschenk, dieser Turgor-Effekt! Ich sehe darin Gottes Power, wenn sich das Leben noch durch die schmalsten Ritzen zwängt. Wenn ein Löwenzahn, ein ganzer Mensch oder ein neuer Gedanke sich Platz schafft, und dann aufrecht dasteht und blühen kann.

/ Ruth Schneeberger mit "Turgor" in den SWR3 Gedanken.

17/06/2026

Übermorgen ist es wieder so weit: Die Mainzer Johannisnacht beginnt. Und das heißt: Volksfeststimmung hier am Rhein – mit Konzerten und Künstlermarkt, Fahrgeschäften und viel Programm. Auf eine Sache freue ich mich besonders: Aufs Riesenradfahren. Ich mag das schon immer: Mit etwas Abstand von oben die Welt betrachten und den weiten Blick genießen. Wie anders manches von dort oben aussieht!
Dieses Jahr plant die evangelische Kirche in Mainz eine besondere Aktion beim Riesenradfahren. Wir haben zwei Gondeln gemietet und laden Paare ein: Lasst euch während der Fahrt mit dem Riesenrad segnen oder sogar trauen. Paare im Riesenrad segnen oder in der Gondel eine kirchliche Hochzeit feiern – ich bin gespannt, wie das wird! Nicht alle sind überzeugt und fragen: „Muss das denn sein?“ Nein, nötig ist das natürlich nicht. Und es muss auch nicht sein. Aber was spricht dagegen? Gottes Segen können wir überall spüren. Sich gegenseitig seine Liebe versprechen und sie unter Gottes Segen stellen, kann man auch an jedem Ort. Also auch hoch oben auf dem Riesenrad!
Und ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie viele Parallelen es gibt zwischen unserem Leben und einer Fahrt mit dem Riesenrad? Auch das Zusammenleben als Paar, als Familie hat viel damit zu tun!
Sitzt man in einer Gondel im Riesenrad, geht es hoch hinauf, bis auf den höchsten Punkt. Manchmal hat man Glück und das Riesenrad hält genau dort kurz an, bevor es wieder hinunter geht. Und wieder hinauf. Wie im Leben: Es gibt Höhepunkte. Und Tiefpunkte. Beim Riesenrad folgen sie einem immer gleichen Rhythmus. Das ist im Leben anders, da können wir den Rhythmus nicht vorhersehen. Wenn sich zwei versprechen, miteinander durchs Leben zu gehen, dann versprechen sie sich auch: Wir feiern nicht nur die Höhepunkte, sondern halten auch in schwierigen Zeiten zusammen. Bewältigen sie gemeinsam.
Das Riesenrad zeigt mir auch: Es braucht Höhenflüge im Leben, die Momente und Zeiten, in denen man dem Himmel nah ist. Ich glaube, wenn wir übermorgen Paare im Riesenrad auf der Mainzer Johannisnacht segnen oder trauen, dann werden wir dem Himmel nah sein. Bei der Fahrt und auch danach – denn Gottes Segen bleibt.

/ Inga Kreusch mit „Segen im Riesenrad“ in SWR1 Anstöße RP

17/06/2026

Eigentlich war die Woche komplett durchgeplant.
Der Kalender war voller Termine und die Liste der Aufgaben war lang.
Ich dachte: Volle Woche, aber wird schon irgendwie werden. Und dann kam die Vollbremsung.
Ein Anruf mit einer Nachricht, die mich vollkommen erschüttert hat.
Alles, was ich kurz vorher für diese Woche noch im Kopf hatte, schob sich in den Hintergrund. Und schnell wurde mir klar: So professionell ich sein möchte und so sehr ich meinen ursprünglichen Wochenplan weiterverfolgen will – es geht gerade nicht. Ich brauche Zeit.

Es gibt solche Momente. Eigentlich müsste noch so viel erledigt werden. Fristen laufen und Menschen verlassen sich auf mich. Und trotzdem gibt es Ausnahmesituationen, in denen ich nicht mehr einfach das durchziehen kann, was ursprünglich geplant war.
Natürlich kann ich vieles aushalten. Ich kann sonntags auf der Kanzel stehen, obwohl ich eine miese Woche hatte und schlecht geschlafen habe. Ich kann den Sorgen anderer zuhören, obwohl mich eigene Sorgen beschäftigen. Ich weiß, dass ich auch unter Belastung funktioniere.
Das ist eine wichtige Fähigkeit.
Aber sie hat Grenzen.
Lange Zeit fiel es mir schwer diese Grenze wahrzunehmen und für mich zu sorgen. Wer belastbar ist, zieht eben durch. Wer stark ist, macht weiter.
Inzwischen versuche ich das anders zu leben.
Ich bin ein Mensch. Und Menschen haben Grenzen. Es tut gut, sie wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Und zwar rechtzeitig. Bevor ich nicht mehr kann.

Der Apostel Paulus ist mir da ein Vorbild. Er hat selbst erlebt, dass seine Kräfte begrenzt sind. Und er hört von Gott einen Satz: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Korinther 12,9)
Gottes Kraft zeigt sich nicht erst dann, wenn ich alles im Griff habe. Sie zeigt sich oft gerade dort, wo ich merke, dass ich jenseits meiner Grenzen bin.
Das therapiert meinen Gedanken, immer stark sein zu müssen und alles alleine schaffen zu müssen.

Ich wünsche mir und allen, die Vollbremsungen erleben den Mut, Grenzen ernst zu nehmen.
Und das Vertrauen, dass Gottes Kraft nicht nur dort wirkt, wo ich stark bin.
Sondern manchmal gerade da, wo ich es nicht bin.

/ Tamara Schenk mit „Vollbremsung“ in den SWR1 Anstößen BW

16/06/2026

Zu meiner Konfirmation durfte ich mir meinen Konfirmationsspruch selbst aussuchen. Der Satz aus der Bibel begleitet mich seitdem: „Seid auf Einigkeit aus und lebt in Frieden miteinander. Dann wird der Gott, der Liebe und Frieden schenkt, mit euch sein.“ (2. Kor 13,11 – Basisbibel)
Die Entscheidung ist mir damals schwergefallen. Wähle ich einfach einen schönen Spruch oder doch lieber einen Satz, der mir einen guten Rat mitgibt? Wer ich bin und wie mein Leben mal werden würde, das war für mich als Dreizehnjährige noch offen und ungewiss. Ich habe lange überlegt und mich dann entschieden: „Seid auf Einigkeit aus und lebt in Frieden miteinander. Dann wird der Gott, der Liebe und Frieden schenkt, mit euch sein.“ Dass Frieden darin vorkommt, war mir wichtig.
Heute denke ich oft an einen anderen Teil vom Satz: „Seid auf Einigkeit aus.“ Dem kann ich viel abgewinnen. Wir Menschen müssen nicht immer einer Meinung sein. Wir dürfen diskutieren und auch streiten. Aber der Satz erinnert daran, trotzdem das Gemeinsame im Blick zu behalten. Denn darauf kommt es an: In einem guten Miteinander zu leben. In der Familie, mit Freundinnen und Nachbarn. Und auch weltweit. Überall braucht es ein gutes Miteinander, auch bei unterschiedlichen Meinungen. Mit Respekt und Ehrlichkeit, Verantwortung und Wertschätzung füreinander.
Nicht immer gelingt es mir, auf Einigkeit aus zu sein. Ich verliere das manchmal aus dem Blick. Dass mich mein Konfirmationsspruch von damals daran erinnert, gefällt mir heute sehr.
In diesen Wochen wird in vielen evangelischen Kirchen Konfirmation gefeiert. Wer sich konfirmieren lässt, sagt: „Ja, ich möchte mit Gott in meinem Leben rechnen. Ich möchte auf Gott vertrauen und möchte Teil dieser Gemeinschaft in der Kirche sein.“ Ich freue mich über alle Jugendlichen, die diesen Schritt gehen und wünsche ihnen Gottes Segen. Vor allem aber wünsche ich ihnen, dass die Worte, die sie sich als Konfirmationsspruch ausgesucht haben, sie durchs Leben tragen. Und ihnen ein so guter Begleiter sind, wie der Satz, der mich seit meiner Konfirmation begleitet. In jedem Fall weiß ich: Der Gott, der Liebe und Frieden schenkt, ist mit ihnen.

/ Inga Kreusch mit „Worte, die durchs Leben tragen“ in SWR1 Anstöße RP

16/06/2026

Ich staune immer wieder über Jesus. Diese Hoffnung möchte ich haben! Hoffnung für die Welt, Hoffnung für alle Menschen und jeden einzelnen Menschen. Er gibt uns einfach nicht auf!
Jesus ist als Sohn Gottes mit der Hoffnung in die Welt gekommen, die Menschen zu verändern. Weil er wusste: Das könnte was werden! Das traut er uns Menschen zu, dass wir mit Gott, also gut leben können. Er hat sein Leben gegeben, damit das möglich ist.
Ich will mir da gern eine Scheibe abschneiden. Ich bin manchmal am Rand der Resignation. Erbstreitigkeiten machen ganze Familien kaputt, weil keiner nachgeben kann. Am Arbeitsplatz wird boshaft gelästert, bis die Angegriffenen weggemobbt sind. Und gleichzeitig fühlen sich alle doch moralisch so überlegen… Und ich bin da nicht immer eine Ausnahme.
Und Jesus? Er traut uns Menschen zu, dass wir uns verändern lassen. Auch heute noch. Er sagt: „Das könnte was werden!“ Was lässt ihn hoffen? Seine Liebe. Diese Liebe ist ausdauernd. Sie gibt nicht auf. Alles erträgt sie, in allen Umständen vertraut sie, alles hofft sie und alles hält sie aus (1.Korinther 13).
Was Jesus mit Hoffnung gefüllt hat, war seine Liebe. Wenn ich Menschen und die Welt aufgebe, wenn ich also keine Hoffnung habe: Könnte es sein, dass ich einfach mehr Liebe brauche?
Ist es so einfach? Wer liebt, kann hoffen. Doch es ist eigentlich sogar noch besser: Wer geliebt ist, kann hoffen. Ich glaube, genau das ist der Punkt. Weil Jesus, weil Gott mich liebt, traut er mir zu, dass ich selbst auch liebe, und, dass ich selbst auch Hoffnung habe. Ich komme in diesen Kreislauf der Liebe und der Hoffnung hinein. Weil ich geliebt bin! Gott hat bereits, so heißt es, durch seinen Lebensatem die Liebe in unsere Herzen ausgegossen (Römer 5,5).
Bin ich naiv? Vielleicht – ein bisschen. Aber was sonst soll unsere Hoffnung sein? Ich will nicht, dass alles so bleibt, wie es ist. Ich möchte gern mehr Mitmenschlichkeit, ich möchte gern mehr Verzichtbereitschaft bei denen, die etwas haben. Ich möchte gern mehr Lebensqualität bei denen, die leiden und hungern und gequält werden. Ich möchte gern weniger sinnloses Sterben und mehr sinnstiftendes Leben. Ist das naiv? Aber was sonst soll unsere Hoffnung sein?
Gott hat durch seinen Lebensatem die Liebe in unsere Herzen ausgegossen. Und die Liebe ist ausdauernd. Sie gibt nicht auf. Alles erträgt sie, in allen Umständen vertraut sie, alles hofft sie und alles hält sie aus. So könnte es was werden mit uns Menschen.

/ David Andreas Roth mit „Könnte was werden“ in den SWR1 Anstößen BW

15/06/2026

1974 – da haben wir unseren ersten Fernseher gekauft! Einen kleinen, tragbaren Kasten. Mein Vater erzählt das immer mal wieder. Und es gibt natürlich einen Grund, weshalb er sich so genau an das Jahr erinnert: 1974 war Fußball-WM in Deutschland. Und das war für ihn der Anlass, einen Fernseher zu kaufen. „Wir wollten das miterleben“, erzählt er, „das war damals ein Riesenereignis“.
Ob die WM 2026 auch ein Riesenereignis wird? Die Welt ist natürlich eine ganz andere als 1974 Deutschland Weltmeister geworden ist. Sport und Politik sind heute nicht mehr voneinander zu trennen, so wünschenswert das vielleicht wäre, weil es manches einfacher machen würde. Aber schon die Beziehung zwischen den drei Gastgeberländern macht das unmöglich: USA, Mexiko, Kanada – da liegt gerade ziemlich viel Spannung drin: Die USA drohen Mexiko mit militärischen Angriffen gegen die Drogenkartelle und bauen weiter an der Mauer zum Nachbarland. Kanada wird mit Zöllen belegt und behandelt, als wäre das Land ein Feind und kein Nachbar. Drei Länder, ein Fest – so war es mal gedacht. Dahinter steht ein großes Fragezeichen.
Ich werde trotzdem viel und gern Fußball schauen in diesen Wochen. Weil Fußball für mich mit einem positiven Lebensgefühl verbunden ist – weil ich das selbst viele Jahre genau so erlebt habe. Ich war lange als Fußball-Mama mit meiner kickenden Tochter auf Plätzen im ganzen Land unterwegs. Jede Menge Samstage, jede Menge Kilometer, jede Menge Schlammschlachten und Berge von verschwitzten Trikots für die Waschmaschine. Und immer war’s gleichzeitig toll: Ich hab so viele Leute kennengelernt, wir haben angefeuert, uns gemeinsam geärgert, wenn’s nicht gut gelaufen ist. Und in der Halbzeit bei ner Roten Wurst oder nem Kaffee philosophiert und mit fußballerischem Halbwissen Aufstellung und Taktik analysiert. Bei Wind und Wetter. Und gleichzeitig kann ich mich nicht erinnern, dass es wichtig gewesen wäre, welchen Job diese oder jene Eltern hatten, wie man sich politisch positioniert oder ob irgendjemand, was mit Gott anfangen konnte. Der Sport hat uns verbunden. Und sonst erst mal nichts.
Ich wünsche mir, dass die Menschen in den USA durch die WM wieder näher zusammenrücken. Dass sie feiern, mit Freunden und Fremden, und vielleicht Kraft schöpfen, gegen Trumps menschenverachtende Politik gemeinsam aufzustehen. Dass weiterwirkt, was im Stadion passiert: Menschen sind trotz aller sportlicher Rivalität friedlich zusammen unterwegs. Egal woher sie kommen, wie sie aussehen und was sie sonst so denken.
Mein Vater hat das erste das Deutschland-Spiel gestern zuhause vor dem Fernseher angeschaut, wie damals 1974. Ich hab mich dazugesetzt. Und es ging einfach nur um Fußball, sonst nichts.

/ Manuela Pfann mit „Fußball …“ in den SWR4 Abendgedanken

15/06/2026

Was für ein wunderschönes lila Blütenmeer! Das Mohnfeld bei uns am Dorfrand ist was ganz besonderes, denn normalerweise kennt man den Mohn ja in rot und nur so vereinzelt am Wegrand.
Blaumohn dagegen blüht lila, und meistens gleich in ganzen Feldern.

Ich bin mit meiner Freundin dorthin spaziert und kaum sind wir dort, kommen noch andere. Ein frisch verliebtes Pärchen macht Selfies, ein Rennradfahrer hält an und staunt einfach nur.
Der Bauer aus unserem Nachbarort pflanzt den seltenen Blaumohn an, für Mohn-Öl oder die klassischen Mohnsamen, die man für Mohnschnecken und -brötchen braucht.
Verrückt, wie dieses Mohnfeld auf mich wirkt. Die lila Farbenpracht beruhigt mich, und es steigt dieses Gefühl in mir auf: „Wie schön, dass wir jetzt grad da sind!“
Meine Freundin meint: „Lang blühen die nicht mehr, schau, die ersten Blütenblätter fallen schon ab!“
Vielleicht macht genau das diesen Moment am Mohnfeld aus:
Du stehst davor und begreifst: diese Blüten sind so empfindlich, sie verblühen bald, und gleichzeitig ist die Frucht mit den Samen so prall gefüllt. In einer Kapsel stecken bis zu tausend Mohnsamen.

Was für ein Bild für das Leben, denn da ist es ja ganz ähnlich: die schönen Momente, in denen alles in dir aufblüht, gehen schnell vorbei. Und was in jedem einzelnen Leben steckt: das sind tausend Möglichkeiten. Tausend Entscheidungen, tausend Gefühle, tausend Chancen mich zu entfalten.
Diese herrlichen lila Mohnfelder! In manchen Gegenden blühen sie noch bis Mitte Juni! Also nichts wie hin, und Mohnfeld und Leben bestaunen!

/ Ruth Schneeberger mit "Lila Mohn" in den SWR3 Gedanken.

15/06/2026

„Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt.“ Der Satz des Liedermachers Martin Buchholz begleitet mich, seit ich ihn das erste Mal gehört habe. Man darf sich und anderen zwar „Liebe ohne Leiden“ wünschen, aber realistisch ist das nicht.
Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt. Liebe hat etwas Bittersüßes. Das gilt für jede Form von Liebe, die Liebe zu Eltern, Geschwistern, Kindern und Enkeln – oder die Liebe zum Partner und zur Partnerin. Das gilt auch in Freundschaften ohne sexuelle Anziehung. Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt.
Manchmal leidet man einfach mit: beim verlorenen Wettkampf eines Kindes, dem Männerschnupfen des Partners oder dem Scheitern einer Beziehung einer Freundin. Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt.
Manchmal leidet man auch aneinander. Die Frau zum Beispiel, die mir erzählt, dass sie während eines Urlaubs bei einem Juwelier eine so wunderschöne Kette im Schaufenster gesehen hat. Natürlich hat sie ihrem Mann das Stück gezeigt! Und als am Ende des Urlaubs tatsächlich die Urlaubskasse immer noch gut gefüllt war, hat sie „so in den Raum“ gesagt, er könne ja noch „etwas Schönes“ kaufen. Das hat er gern gemacht. Er hatte da schon etwas im Auge – und kam mit einem Auspuff für sein Auto zurück… Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt.
Man sorgt sich, man sorgt füreinander, man sorgt sich, dass man den anderen verliert. Weil Liebe auch bedeutet, dass der andere ein Teil von mir wird und ist. Es ist wie ein umgekehrter Phantomschmerz. Man fühlt den Verlust, bevor man ihn erlebt hat. Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt.
Und leider ist es wahr. Unsere Lieben verlassen uns. Irgendwann wird das wahr. Es gibt sie so selten, die Liebe ohne Leiden.
Ich bin so froh, dass ich weiß, dass mein Gott das kennt. Er kennt das Mitleiden, er kennt die Enttäuschungen und er kennt auch den Trennungsschmerz. Sein Sohn starb am Kreuz! Was für ein Zeichen seiner Liebe, dass er auch das mit mir teilt.
Wenn ich denke: „Warum lässt er das zu?“, dann setzt er sich zu mir auf meine Klagebank und sagt: „Ich bin an deiner Seite!“
Martin Buchholz findet Worte: Am Ende bleibt: ich hab geliebt. Ich weiß nicht, was es Bessres gibt. Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt. Tut manchmal weh. Das ist es wert.
Am Ende bleibt: Wir sind geliebt. Ich weiß nicht, was es Größres gibt. Gott schaut uns an. Ich hab‘s gesehn. Ich glaub daran und werd es nie verstehn.

/ David Andreas Roth mit „Kein Herz“ in den SWR1 Anstößen BW

15/06/2026

„Stell dir vor: Neben dir sitzt Gott.“ Ich sitze in einem Seminar für kreatives Schreiben und bekomme als allererstes diese Aufgabe: Schau nach rechts, schau den Menschen neben dir ganz genau an und beschreib ihn – so, als ob es Gott wäre. Eine sehr ungewohnte Übung!
Ich muss an die Zehn Gebote denken. Da heißt es: „Du sollst dir kein Bild machen von Gott.“ Dieses Gebot hat seinen Sinn. Es soll verhindern, dass wir Menschen uns ein Bild von Gott machen und fest davon überzeugt sind, dass Gott genau so ist und nicht anders. Denn mit Gott ist es ja so: Keines unserer Bilder wird Gott gerecht. Gott ist immer anders. Größer und vielfältiger, als wir uns das ausmalen können.
Gleichzeitig brauchen wir Bilder und Ideen davon, wie Gott ist. Bilder, so konkret wie unser Leben.
Ich fange an zu schreiben – und alle Menschen um mich herum im Seminar auch:
Eine schreibt: „Neben mir sitzt Gott und hat viele feine Lachfalten um die Augen. Habe ich es mir doch gedacht – Gott hat Humor.“
Ein anderer: „Neben mir sitzt Gott. Sie ist weiblich. Hab‘ ich’s doch gewusst!“
Es ist ungewohnt und merkwürdig die Person neben mir auf diese Weise anzuschauen und Gott in ihr zu sehen.
Dabei erzählt schon die Bibel, dass Gott uns Menschen ähnlich sein will. Bei der Erschaffung der Welt sagt Gott: »Lasst uns Menschen machen – unser Ebenbild, uns gleich sollen sie sein!«“ (1. Buch Mose 1,26) Als Ebenbilder hat Gott uns Menschen gedacht. Als Lebewesen, die ihm gleich sind. Das heißt dann vielleicht auch: Wir sind Gottes Ebenbilder mit unseren Lesebrillen und Lachfalten. Mit unserem müden Blick und unserer Arbeitskleidung. Oder anders gesagt: Gott ist uns gleich. Nicht nur einer oder einem von uns – sondern uns allen. In all unseren Unterschieden und in all unserer Vielfalt ist uns Gott gleich.
„Stell dir vor, neben dir sitzt Gott!“ Ich will mir das jetzt öfter vorstellen. Mich umschauen und Gott neben mir entdecken. Das verändert mich. Denn ich blicke neugieriger, wohlwollender und interessierter auf den Menschen neben mir. Ich glaube, genau das gefällt auch Gott.

/ Inga Kreusch mit „Gott neben mir“ in SWR1 Anstöße RP

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