translib
ein communistisches labor An den Rand des Lebens gedrängt konsumieren wir stattdessen mit dem Spektakel immer mehr Bilder von dem Leben, das wir träumen sollen.
Diese Bibliothek soll zu einem Stützpunkt für Leute werden, die sich nicht mit ihrem „Schicksal“ abfinden wollen, ihr Dasein als Arbeitskraftbehälter für Kapital und Staat zu fristen – für alle, die an der alltäglichen Entfremdung leiden, eingezwängt in die herrschende zweigeschlechtliche Identitäts-Norm und eine soziale Hierarchie, immerfort nur die gigantische Profitmaschinerie am Laufen zu halt
19/06/2026
Die Covid-19-Pandemie hat die Gesellschaft in vielfacher Hinsicht zutiefst erschüttert. Inzwischen, da sie in der öffentlichen Wahrnehmung als beendet gilt, stellt sich auch aus linker Perspektive die Frage: Was ist daraus gelernt worden, was hätte daraus gelernt werden müssen? Wie wahrscheinlich sind in naher Zukunft weitere Pandemien, und was haben wir von den nächsten Gesundheitskrisen zu erwarten? Wie hat sich der Umgang insbesondere mit Menschen mit Behinderung durch die Pandemie verändert, und welche sozialen Verwerfungen sind absehbar? Und was macht es mit einer Gesellschaft, hunderttausende Tote und schätzungsweise 450.000 ME/CFS-Erkrankte infolge einer Covid-19-Infektion zu akzeptieren, um eine Normalitätsillusion aufrechtzuerhalten, aus der immer mehr Menschen herausfallen?
Das ist nur ein Bruchteil der Fragen, die sich angesichts der Pandemie stellen; eine Pandemie, die für unzählige Langzeiterkrankte und ihre Freund*innen und Angehörige noch längst nicht beendet ist.
Einer kritischen Auseinandersetzung mit der Pandemie Raum zu geben, ist Ziel des von Paul Schuberth und Frédéric Valin herausgegebenen Sammelbandes „Die verdrängte Pandemie“ (Unrast Verlag 2025), der an diesem Abend zur Diskussion gestellt wird. Vor der Buchpräsentation stellt die Initiative Liegenddemo Leipzig kurz ihre Arbeit und Forderungen vor.
Eine Veranstaltung von translib und Liegenddemo Leipzig.
Moderation: Steven Solbrig (Lesekreis „Krankheit und Behinderung im Kapitalismus“ in der translib)
Infos zur Barrierefreiheit im ersten Kommentar.
17/05/2026
»Die Verschwiegenen Toten – Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 in Leipzig«. Eine Ausstellung des Initiativkreis Antirassismus
25.–31. Mai 2026 // Lützner Straße 30, Leipzig-Lindenau
Rechte Gewalt ist kein Randphänomen, sondern ein Produkt weit verbreiteter, menschenverachtender Ideologien, die die Ungleichwertigkeit von Menschen predigen. Rechte Morde sind kein zufälliges Verbrechen – sie sind die Konsequenz einer Gesellschaft, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, sexuellen Orientierung oder sozialen Lage abwertet und entmenschlicht. Die Täter*innen handeln nicht im luftleeren Raum, sondern in einem Klima, das solche Gewalttaten begünstigt und oft sogar relativiert. Statt Solidarität erfahren Betroffene und Hinterbliebene oft die gleichen menschenverachtenden Vorurteile, die die Morde überhaupt erst ermöglicht haben.
Die Taten werden entpolitisiert, verharmlost und als „isolierte Einzelfälle“ abgekanzelt, statt endlich als das zu benennen, was sie sind: eine Manifestation einer gesamt-gesellschaftlichen Haltung. 2013 erarbeitete der Initiativkreis Antirassismus die Ausstellung „Die verschwiegenen Toten – Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 in Leipzig“, um diesen zu gedenken und an sie zu erinnern. Die Ausstellung wurde im vergangenen Jahr überarbeitet, sie soll über die Dimension rechter Gewalt in Deutschland und im Besonderen in Leipzig aufklären. Zudem wird der politische, juristische und gesellschaftliche Umgang mit den Betroffenen und ihren Angehörigen thematisiert und die Notwendigkeit des aktiven Gedenkens an die Getöteten dargelegt.
Die Ausstellung wird gezeigt im Rahmen des Veranstaltungsprogramms »Klaus R. zum Gedenken – 32 Jahre danach«, das die translib. Communistisches Labor Leipzig zusammen mit der »Rassismus tötet!« – Leipzig zwischen dem 25. und 31. Mai 2026 organisiert.
Öffnungszeiten:
Mo., 25. Mai 2026: 14:00 - 20:00 Uhr
Di., 26. Mai 2026: 16:00 - 19:00 Uhr
Mi, 27. Mai 2026: 16:00 - 19:00 Uhr
Do., 28. Mai 2026: 16:00 - 19:00 Uhr
Fr., 29. Mai 2026: geschlossen
Sa., 30. Mai 2026: 12:00 - 18:00 Uhr
So., 30. Mai 2026: 12:00 - 18:00 Uhr
11/05/2026
»Klaus R. zum Gedenken – 32 Jahre danach«
// Programm vom 25. bis 31. Mai 2026
// Veranstalte von translib in Kooperation mit »Rassismus tötet!«
// Lützner Straße 30, Leipzig-Lindenau
In der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 1994 wurde Klaus R. in der von ihm genutzten Wohnung in der Lützner Straße im Leipziger Westen zu Tode geprügelt. Die vier Täter, die im gleichen Haus wohnten und zwischen 15 und 19 Jahren alt waren, hatten Klaus R. zuvor über mehrere Tage hin gequält und erniedrigt. Das nachfolgende Gerichtsverfahren am Leipziger Landgericht im Jahr 1995 führte zwar zu einer Verurteilung der jugendlichen Täter wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung – die Bedeutung der sozialdarwinistischen Motive bei dem verübten Mord wurde jedoch nicht berücksichtigt. Damit steht eine offizielle Anerkennung von Klaus R. als Todesopfer rechter Gewalt bis heute aus. Er wurde 43 Jahre alt.
Der Mord an Klaus R. war kein Einzelfall. Seit der Wende sind in Deutschland mindestens 224 Menschen Opfer rechter Tötungsdelikte geworden, davon neben Klaus R. allein zehn weitere Personen in Leipzig. Der überwiegende Teil dieser Taten wird dabei nicht als rechtsmotiviert anerkannt. Ist an dem Pogrom von Hoyerswerda, dem Brandanschlag in Solingen, schließlich an der Mordserie des NSU längst ersichtlich geworden, dass vonseiten der deutschen Bundesbehörden weder eine entschiedene Intervention in das Gewaltgeschehen noch nachdrückliche Aufklärung über sein Zustandekommen erwartet werden kann. Auch Nachbar*innen und Umstehende griffen in tödliche rechte Gewalttaten in der Regel nicht ein, um Betroffenen zu helfen. Dies gilt auch für die bislang dokumentierten Fälle in Leipzig: Horst K. wurde am helllichten Tag im Dezember 1995 in einer Straßenbahn angezündet; Bernd G. schrie, hörbar für die Anwohner*innen in Wahren, um Hilfe, als er im Mai 1996 auf offener Straße zu Tode gequält wurde; Karl-Heinz T. erlag im August 2008 seinen Verletzungen, nachdem er am Schwanenteich hinter der Leipziger Oper mehrfach verprügelt worden war und die durch eine Passantin unmittelbar informierte Polizei sich offenbar über mehrere Stunden nicht durchringen konnte, zu intervenieren. Der Leichnam von Klaus R. wiederum wurde erst Tage später in seiner Wohnung in der Lützner Straße gefunden. Ob die Nachbar*innenschaft seine mutmaßlichen Schreie nicht hörte, bleibt fraglich.
Taten wie diese werfen für uns viele Fragen auf. Unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen entfalten Ideologien wie Rassismus, Antisemitismus, Sozialdarwinismus oder Homosexuellenfeindlichkeit immer wieder eine solche Wirkkraft, dass sie gewalttätig und sogar mörderisch werden? Und wen trifft letztendlich diese Gewalt: Wer waren die Opfer und wie ist ein ihnen angemessenes Gedenken möglich, auch wenn wir wenig über sie als Personen wissen?
Am 28. Mai 2026 jährt sich der Mord an Klaus R. zum 32. Mal. Wir nehmen dies zum Anlass, um uns mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und seiner zu gedenken. Dafür haben wir in Kooperation mit »Rassismus tötet!« – Leipzig ein Veranstaltungsprogramm erarbeitet, das in der Woche vom 25. bis 31. Mai in den Räumen der translib stattfindet. Herzstück des Programms ist die vom Initiativkreis Antirassismus erarbeitete Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten – Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 in Leipzig«, die in dieser Woche täglich besichtigt werden kann. Zur Eröffnung der Ausstellung am 25. Mai laden wir den Initiativkreis ein, auf einem Podium mit uns über ihre Recherchen und die dokumentierten Todesfälle zu sprechen. Am 28. Mai möchten wir im Rahmen einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung an Klaus R. erinnern und eine Plakette einweihen, die wir ihm zum Gedenken an unserer Hausfassade in der Lützner Straße 30 – der Straße, in der er vormals wohnte – angebracht habe). Den Abschluss unseres Veranstaltungsprogramms bildet am Sonntag, den 31. Mai, ein Vortrag der Soziologin Saskia Gränitz über den »Sozialdarwinismus der Straße«, in dem sie sich mit der Sozialpsychologie rechter Gewalt seit 1990 in Ostdeutschland auseinandersetzt.
Das Programm im Überblick:
Montag, 25. Mai
14:00 bis 19:00 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«
18:30: Auftaktveranstaltung – Podium mit dem Initiativkreis Antirassismus
Dienstag, 26. Mai
16:00 bis 19:00 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«
Mittwoch, 27. Mai
16:00 bis 19:00 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«
Donnerstag, 28. Mai
16:00 bis 19:00 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«
19:00 Uhr: Gedenkveranstaltung für Klaus R. – 32 Jahre danach
Samstag, 30. Mai
12:00 bis 18:00 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«
Sonntag, 31. Mai
12:00 bis 18:00 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«
18:00 Uhr: Abschlussvortrag – Saskia Gränitz: Der Sozialdarwinismus der Straße. Zur Sozialpsychologie rechter Gewalt seit 1990 in Ostdeutschland
06/03/2026
Buchpremiere von Katharina Lux und Amelie Göppel im Rahmen der Leipziger Buchmesse! 🍾
21.3.2026 | 19:30 Uhr | translib | Lützner Str. 30, Leipzig
Es ist kompliziert. Zur Beziehung von Kapitalismus und Feminismus - Lesung und Gespräch mit Katharina Lux, Moderation: Alexandra Ivanova
Väter in Elternzeit, rechtliche Gleichstellung, Frauen in Führungspositionen – viele feministische Forderungen werden seit einigen Jahrzehnten gesellschaftlich akzeptiert. Doch eine von ungleicher geschlechtlicher Arbeitsteilung und Armut befreite Gesellschaft ist nicht verwirklicht.
Katharina Lux analysiert verschiedene feministische Strömungen und ihre Rolle im Kapitalismus. Es ist kompliziert: Wer von ihnen hat sich in den letzten Jahrzehnten auf welche Form von Beziehung mit dem Kapitalismus eingelassen? Wer führt eine Romanze mit dem Bestehenden und wer will die sofortige Trennung und dauerhaften Kontaktabbruch? An dem Abend stellt die Autorin im Gespräch mit Alexandra Ivanova ihre Beziehungsbilanz vor.
Der Essay „Es ist kompliziert. Zur Beziehung von Kapitalismus und Feminismus“ erscheint im MaroVerlag als MaroHeft Nr. 21 mit Grafiken von Amelie Göppel.
30/01/2026
Edit: Anmeldestop - alle Plätze sind bereits vergeben.
Integration durch Entmenschlichung - Historischer Materialismus und Rassismusanalyse. Tagesseminar mit Lukas Egger.
Was Rassismus ist, wie er sich historisch eingrenzen lässt und mit welchen Begriffen er angemessen analysiert werden kann – diese Fragen sind innerhalb der marxistischen Theoriebildung heftig umstritten. Rassismus wird von manchen Marxist:innen als Struktur und von anderen als Ideologie verstanden. Einmal wird er bis in die Antike zurückverfolgt, das andere Mal als Phänomen der Moderne aufgefasst. Manche trennen ihn vollends vom Rassenbegriff, andere wollen ihn fest an diesen binden. Von einigen wird er als Ergebnis einer intentionalen Herrschaftsstrategie analysiert, während andere seinen Ursprung an der Warenform dingfest machen wollen.
Im Workshop mit Lukas Egger soll gezeigt werden, dass sich diese Probleme der Rassismusforschung nicht durch Begriffsarbeit allein, sondern primär auf Basis vergleichender historischer Analysen schlichten lassen. Dabei werden ausgehend von Ansatzpunkten im Werk von Karl Marx die Potenziale einer historisch-materialistischen Rassismusanalyse an einem konkreten Beispiel ausgelotet: der rassistischen Regulation der Sklaverei im kolonialen Amerika. An diesem Beispiel soll deutlich werden, dass es sich bei Rassismus nicht nur um eine Ideologie der Naturalisierung und Legitimation von Herrschaft, sondern zugleich um einen Modus negativer Integration in Klassengesellschaften handelt.
Meldet euch an unter [email protected] – die Plätze im Seminar sind begrenzt. Zur Vorbereitung auf den Workshop wird ein Reader zur Verfügung gestellt.
Am Vorabend des Seminars stellt Lukas Egger das von ihm mitverfasste Buch „Marx, Engels und der Rassismus ihrer Zeit“ in der translib vor.
30/01/2026
Marx, Engels und der Rassismus ihrer Zeit.
Buchvorstellung mit Lukas Egger
Der Umgang von Marx und Engels mit Rassismus wird seit geraumer Zeit heiß debattiert. Die Positionen reichen dabei von orthodoxen Rechtfertigungen bis hin zu postmodernen Denunziationen. Beide Seiten gehen in der Regel eindimensional vor und legen den Fokus auf die kolonial geprägte Vorstellung von einem Gegensatz angeblicher Rassen. Diese Form des Rassismus wird aber nicht mit anderen Rassismen wie Antisemitismus, Antislawismus oder Orientalismus vermittelt.
Das im August 2025 im Mandelbaum Verlag erschienene Buch „Marx, Engels und der Rassismus ihrer Zeit“ von Wulf D. Hund, Lukas Egger und Felix Lösing ist die erste Studie, die sich kritisch, umfassend und aus marxistischer Perspektive mit der Haltung von Marx und Engels zum Rassismus ihrer Zeit befasst und dabei die komplexe Vielfalt der zeitgenössischen Rassismen berücksichtigt. Entsprechende Aussagen von Marx und Engels werden darin sozial- und ideengeschichtlich eingebettet und im Hinblick auf ihre Stellung zur marxistischen Gesellschaftsanalyse untersucht.
Lukas Egger stellt die zentralen Thesen des Buches an diesem Abend vor und zur Diskussion.
24/01/2026
Reclaim the Red. Zur Kritik des älteren und neueren Marxismus-Leninismus
Broschüren-Release und Diskussion
13.02.2026 | 19:00 Uhr | translib, Lütznerstraße 30, Leipzig
Als Chemnitzer Theoriefestival Kantine haben wir uns 2024 eine Woche lang der Analyse und Kritik der »Zone« gewidmet. Ein Anlass für unsere intensive Beschäftigung mit der DDR war das Revival von marxistisch-leninistischen »Roten Gruppen«, das seit einigen Jahren viel diskutiert wird: Unser Eindruck war, dass die Kritik an diesen Gruppen oft nicht ausreichend imhaltlich ausgeführt wird. Wir haben daher auf der Kantine »Zone« begonnen, uns Aspekte einer solchen historisch und gesellschaftstheoretisch fundierten Kritik zu erarbeiten, und die Ergebnisse im Nachgang in der Broschüre »Reclaim the Red« dokumentiert, vertieft und ergänzt.
Unsere 2025 veröffentlichten »Kleinen Roten Bücher« waren bereits nach kurzer Zeit ausverkauft. Wir haben sie nun neu aufgelegt – das wollen wir mit euch feiern!
Davor wollen wir an dem Abend einen Einblick in die Broschüre geben und mit unseren Autor:innen und euch darüber diskutieren, warum eine Kritik an den neueren »Roten Gruppen« sowie an der Denktradition des Marxismus-Leninismus notwendig ist. Dafür haben wir die Gruppe Kappa, die Gruppe Vogliamo Tutto und Julian Kuppe eingeladen, die in ihren Beiträgen auf verschiedene Aspekte des Themenkomplexes eingehen. Anschließend gibt es die Möglichkeit die Broschüre zu erwerben und sich bei einem Getränk weiter auszutauschen.
Eine Kooperation des Kantine-Festivals mit translib. ein communistisches Labor (Leipzig).
20/01/2026
Versuch und Scheitern einer Utopie. Der Selbstverwaltungssozialismus in Jugoslawien. Vortrag von Matthias Zwack
06. Februar 2026 II 19:00 Uhr II translib
Offene Gesellschaft, Basisdemokratie und direkte Kontrolle der Arbeiter:innen über die Betriebe – inmitten des Kalten Krieges versuchten die jugoslawischen Kommunist:innen etwas umzusetzen, was heute nach einer entfernten Utopie klingt. Jugoslawiens „sozialistische Demokratie“ wollte Staat und Kapital gleichermaßen überwinden. Die Menschen sollten über alle Belange des gesellschaftlichen Lebens selbst entscheiden.
Über Jahrzehnte hinweg inspirierte das jugoslawische Modell Politik- und Wirtschaftswissenschaften, kritische Denker:innen, soziale Proteste und Reformbewegungen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs – bis es Ende der 1980er Jahre in einer Serie blutiger Bürgerkriege zusammenbrach.
Scheiterte Jugoslawien an der Übermacht seiner kommunistischen Partei, die ihre Herrschaft doch nicht aufgeben wollte? Oder schuf das Selbstverwaltungssystem die Ursachen für seinen Untergang letztendlich selbst? Kann man das jugoslawische Modell überhaupt nur von seinem Ende her bewerten? Oder verdeckt der Blick auf sein Scheitern nicht auch die Möglichkeiten und Potentiale, die in ihm steckten?
Im Rahmen einer kleinen Zeitreise in dieses fast vergessene Kapitel linker Geschichte begibt sich der Vortrag auf Spurensuche: Was lässt sich aus der jugoslawischen Erfahrung für heutige Perspektiven auf eine bessere Zukunft mitnehmen?
16/01/2026
almost teen Party – translib wird 12
31.01.2026 I 19:30 I translib, Lütznerstraße 30
Genoss*innen, hebt die runzeligen Köpfe von der Federici-Lektüre, lasst die Dialektik einmal Dialektik sein und bringt eure müde Schwarte in Bewegung: Wir werden 12 Jahre alt und wollen das mit euch feiern. 12 Jahre translib heißt 12 Jahre kommunistische Bildungsarbeit, liebevolles Diskutieren, mühsames Marxeln, die Bitterkeit, ja zuweilen Aussichtslosigkeit der Verhältnisse schmecken – darin aber zusammen wenigstens nicht untergehen. Für diesen Abend jedenfalls gilt: Wir stehen vielleicht nicht kurz vor dem Kommunismus, aber vor der Pubertät. Und das muss begossen werden. Clap your hands, raise your fist, shake your soft office bum! Dafür haben wir uns auch ein passendes Programm überlegt.
19:30 Uhr – Get-together
20:00 Uhr – 12 Jahre translib: Begrüßung und Stößchen auf uns mit Secco
20:30 Uhr – Konzert: Jeanne-Luc Borovsky (https://jeanne-lucborovsky.bandcamp.com/album/live-in-halle)
Mit der Bühnenpräsenz eines Schlaghammers führt die Punk-Band (https://jeanne-lucborovsky.bandcamp.com/album/live-in-halle) Jeanne-Luc Borovsky in unseren Abend ein. Harte Schale, weicher Kern? Manchmal braucht es eben doch den Abriss, um zum Wesentlichen vorzudringen. Klassisches Uff-Da-Uff-Da-Schlagzeug mit der Präzision einer Trümmerbirne trifft auf ein fabelndes Keyboard, das in seinem Sound an die Drehungen eines Betonmischers Marke Scheppach 3000 erinnert. Gekrönt von dem durchdringenden Gesang unserer liebsten Frontmeister*in. Wer sonst könnte Songs mit so eingängigen Titeln wie „Oh Yeah“ auf die Bühne bringen?
21:30 Uhr – DJ Pesca Fresca & Cinnamon
Mit dem DJ-Duo Pesca Fresca & Cinnamon geht es dann in die Knie. Reggaeton, Dancehall und Afrobeats ist angesagt, um unseren Laden spätestens jetzt auf Zimmertemperatur aufzuheizen.
23:30 Uhr – DJ Whitney Husten
Und wer geglaubt hat, House gehöre der Vergangenheit an, soll bei uns eines Besseren belehrt sein. Mit deepen Vocals und dem lang vermissten 4/4-Takt clappt uns DJ Whitney Husten im geschmeidigsten 2000er-Sound durch die Nacht, bis das Bettchen ruft.
Special Drink: Gin Tonic
20/12/2025
Anmeldung unter [email protected]
Anlässlich seines 80. Geburtstags fand im Mai 1963 im tschechoslowakischen Liblice die Konferenz Franz Kafka aus Prager Sicht statt. Ein Jahr später schrieb die Süddeutsche Zeitung: Die „Chiffre Kafka“ stehe für „geistigen Aufbruch, für Ende der Atemnot und Durchbrechen der Grenzen, mit denen die Literatur des Ostblocks eingegittert war“. Ein Hinweis auf die Sprengkraft dieser Konferenz, die weit über rein literaturwissenschaftliche Fragen hinausging. Denn bei den Diskussionen der etwa 100 tschechoslowakischen und internationalen Germanist*innen, Literaturwissenschaftler*innen und Philosoph*innen ging es auch um mögliche Reformen des (real-existierenden) Sozialismus und den Abbau bestehender kulturpolitischer Dogmen: Ideen, die 1968 im Prager Frühling mit der Forderung nach einem ‚Sozialismus mit menschlichem Antlitz‘ die tschechoslowakische Gesellschaft ergriffen.
Im Seminar wollen wir von einem Text Kafkas (Der Heizer) ausgehend ausgewählte Beiträge der Konferenz diskutieren. Dabei wollen wir eigene Leseeindrücke und die Positionen der Beiträge ins Gespräch bringen. Ausgangspunkt sind die Fragen: Wie findet Entfremdung in Kafkas Texten ästhetisch Ausdruck? Was bot gerade an ihnen Potenzial für eine Kritik des Realsozialismus? Woher rührt die gesellschaftspolitische Sprengkraft Kafkas, die von der Konferenz freigesetzt wurde? Schließlich wollen wir auch diskutieren, ob, und wenn ja, warum wir uns als Kommunist*innen heute noch mit Kafka befassen sollten. Ist, was wir in seinen Texten über (scheiternde) Bemühungen, diese Zustände zu überwinden, lesen können, längst überholt? Oder ist es auch heute – 100 Jahre nach Kafkas Tod, 60 Jahre nach der Konferenz von Liblice – aktuell?
Das Seminar findet am 10. Januar 2026 von 10.30 bis 18.00 Uhr in der translib statt. Ein Reader (ca. 70 Seiten) wird euch nach Anmeldung unter [email protected] zugeschickt. Außer der vorbereitenden Lektüre sind keine Vorkenntnisse nötig.
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