Mantrailing

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Infos, Tipps und Diskussionen rund ums Mantrailing.

02/08/2026

Wir haben hier in Wien gerade nahezu unmenschliche Temperaturen. Die nächste Hitzewelle hat uns fest im Griff – und selbst am Abend kühlt es nicht ausreichend ab.

Mir ist vor allem eines wichtig: Unsere Hunde sollen den Spaß am Trailen behalten.

Das tun sie nicht, wenn sie während der Wartezeit in einem abartig heißen Auto sitzen, auf heißem Asphalt arbeiten oder bei weit über 30 Grad Leistung bringen müssen. Deshalb habe ich mich zugunsten der Hunde für eine Trainingspause entschieden. Wie lange sie dauern wird, werden wir sehen.

Und nein: Eine Trainingspause tut nicht weh.

Speziell zu mehrwöchigen Pausen im Mantrailing gibt es bisher keine kontrollierten Studien. Was wir aus der Forschung zu Lernen, Gedächtnis und Geruchserkennung wissen, spricht aber nicht dafür, dass ein gut aufgebauter Hund innerhalb weniger Wochen das Trailen verlernt.

Er hat nicht nur Abläufe auswendig gelernt. Er weiß, was der Geruchsträger bedeutet, was seine Aufgabe ist und wie die Zusammenarbeit mit seinem Menschen funktioniert. Diese Erfahrungen verschwinden nicht, nur weil sie einige Wochen lang nicht abgerufen werden.

Untersuchungen mit Detektionshunden zeigen, dass gelernte Zielgerüche erstaunlich lange im Gedächtnis bleiben. Nach einer Pause können jedoch Routine, Feinabstimmung und Kondition zunächst etwas anders sein. Der eine Hund startet besonders aufgeregt, der andere braucht kurz, um wieder in seinen Arbeitsmodus zu finden, und ein dritter arbeitet nach der Pause auffallend ruhig und konzentriert. Das bedeutet nicht, dass er etwas vergessen hat.

Auch häufigeres Training ist nicht automatisch besseres Training. Zeitlich verteilte Einheiten können beim Lernen effizienter sein als sehr häufige Wiederholungen. Pausen ermöglichen Erholung und nehmen einem erfahrenen Hund nicht seine Fähigkeit. Manchmal bringen sie sogar neue Motivation und besonders große Freude an der gemeinsamen Arbeit.

Und diese Freude ist mir wichtiger als ein lückenloser Trainingskalender.

Sollte es dauerhaft so heiß bleiben, werden wir irgendwann um 3 Uhr in der Früh trainieren. Das ist momentan tatsächlich die einzige Zeit, zu der man vernünftig arbeiten kann, ohne bereits wieder in die Hitze zu geraten. Aber nicht jeder kann das mit Beruf und Alltag vereinbaren. Und auch wir genießen einmal eine Trainingspause – ganz ohne Sorge, dass unsere Hunde dadurch etwas verlieren.

Bis dahin haben unsere Hunde ihr eigenes Sommerprogramm. Vielleicht habt Ihr ja ein bisschen Freude an ihrer Freude im Pool. 😄💦

Ich wünsche allen, bei denen es ebenfalls so heiß ist, dass Mensch und Hund gut durch diese Tage kommen. Passt auf Euch auf!

Auch während der Trainingspause bleibt es spannend!

Der WhatsApp-Kanal und der Podcast werden natürlich weiterhin regelmäßig bedient. Falls Euch noch Mythen rund um Geruch, Hundenase oder Mantrailing begegnen, die ich aufgreifen soll: immer her damit!

Den WhatsApp-Kanal findet Ihr hier:
Kanal Mantrailing, Hundenase und mehr auf WhatsApp: https://whatsapp.com/channel/0029Va8XrDXGZNCjxLRYn908

Den Podcast „Die Antwort auf alles ist Geruch“ gibt es auf allen gängigen Podcast-Plattformen.

Und noch diesen Monat erscheint mein Buch „Dem Geruch auf der Spur“ – überall im Buchhandel oder direkt hier⁠: https://motorbuch-versand.de/shop/42379-dem-geruch-auf-der-spur?acc=aa0ad5f0bbdf15d146abc0270c273cf2

23/07/2026

🎙️ Neue Podcastfolge: Mythos 5 - Gute Trainer

Was macht eigentlich einen guten Mantrailing-Trainer aus?

Sind es Zertifikate, die Zahl der absolvierten Seminare oder die Jahre, die jemand bereits trailt? Oder zeigt sich wirkliche Kompetenz nicht vielmehr darin, wie sorgfältig jemand beobachtet, wie gut er Zusammenhänge versteht und ob er bereit ist, die eigenen Entscheidungen immer wieder zu hinterfragen?

Für mich ist praktische Erfahrung unverzichtbar. Viele Zusammenhänge lassen sich nicht allein aus Büchern oder auf Seminaren lernen. Man muss unterschiedliche Hunde und Menschen über längere Zeit begleitet, Entwicklungen beobachtet, Fehler gemacht und Lösungen gesucht haben.

Aber Erfahrung allein reicht nicht. Sie wird erst dann wirklich wertvoll, wenn sie mit fundiertem Wissen, ehrlicher Selbstreflexion und der Bereitschaft verbunden ist, sich weiterzuentwickeln.

In dieser Podcastfolge spreche ich deshalb darüber, was einen guten Trainer für mich ausmacht: die Verbindung von Erfahrung, Theorie und Praxis, die Verantwortung gegenüber Hund und Mensch sowie die Fähigkeit, nicht einfach Trainingsrezepte weiterzugeben, sondern Verhalten zu verstehen und Entscheidungen fachlich begründen zu können.

Ein Punkt ist mir dabei besonders wichtig: Es macht einen Unterschied, ob jemand als Trainer Teams begleitet oder selbst Trainer ausbildet.

Auch ein Trainer trägt große Verantwortung. Wer jedoch Trainer ausbildet, vermittelt sein Wissen an Menschen, die später wiederum zahlreiche Hunde und Hundeführer begleiten werden. Fehler, Wissenslücken und vereinfachte Erklärungen werden dadurch nicht nur an ein einzelnes Team, sondern möglicherweise über Jahre hinweg weitergegeben.

Aus meiner Sicht braucht es für die Ausbildung von Trainern deshalb noch einmal deutlich mehr: langjährige Erfahrung mit sehr unterschiedlichen Hunden und Teams, umfassendes theoretisches Wissen, die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge verständlich zu vermitteln – und die Ehrlichkeit, die Grenzen des eigenen Wissens zu erkennen.

Denn gute Trainer erkennt man nicht daran, dass sie auf alles eine Antwort haben. Sondern daran, dass sie nie aufhören, nach Antworten zu suchen.

🎧 Die neue Podcastfolge ist jetzt online:
„Gute Trainer – Warum Erfahrung allein nicht reicht“

Passend zum Thema noch ein Hinweis: Meine nächste Trainerausbildung startet im Januar 2027. Aktuell sind nur noch zwei Plätze frei.

Wenn Ihr Interesse an der Ausbildung habt und nähere Informationen erhalten möchtet, schreibt mir bitte eine E-Mail an:

📧 [email protected]

Die neue Folge ist ab sofort auf Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music und allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar.

https://open.spotify.com/episode/66MaoeZcsJ7VlU8OPZgKcO?si=qHtdh-jCQK-wEJ-RaXvlmQ&utm_source=copy-link

16/07/2026

Das Maiglöckchen-Phänomen

📚 Es gibt eine neue Podcastfolge. Und sie ist für mich eine ganz besondere.

Neben den Mythen, die natürlich weiterhin ein fester Bestandteil meines Podcasts bleiben, möchte ich Euch künftig hin und wieder auch Bücher vorstellen, die meinen eigenen Weg geprägt haben.

Den Anfang macht „Das Maiglöckchen-Phänomen“ von Prof. Dr. Hanns Hatt.

Ich hatte das große Glück, Hanns Hatt persönlich kennenlernen zu dürfen und mit ihm hin und wieder im Austausch zu stehen. Seine Begeisterung für die Geruchsforschung, seine Offenheit und seine Fähigkeit, selbst komplexe Wissenschaft verständlich zu erklären, haben mich nachhaltig beeinflusst.

Als Hanns Hatt im April 2026 verstarb, war für mich schnell klar: ihm gehört ein großes Danke!

Diese erste Buchvorstellung ist deshalb zugleich eine Verneigung vor einem außergewöhnlichen Wissenschaftler, dem ich fachlich und persönlich sehr viel zu verdanken habe.

In der Folge geht es nicht nur um das Buch selbst, sondern auch darum, warum es meinen Blick auf den Geruchssinn verändert hat, welche Gedanken mich bis heute begleiten und weshalb gute wissenschaftliche Bücher auch viele Jahre nach ihrem Erscheinen nichts von ihrer Bedeutung verlieren.

🎙️ Die neue Folge findet Ihr ab sofort auf Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music und allen gängigen Podcast-Plattformen.

https://open.spotify.com/episode/7LjNu4hiL5KH9BBrDXkniv?si=YINSXscYStuOoi5isQd8TA&utm_source=copy-link

📖 Und jetzt interessiert mich Eure Meinung:
Welches Buch hat Euch fachlich oder persönlich nachhaltig geprägt? Ich freue mich auf Eure Empfehlungen – vielleicht wird das eine oder andere Buch Teil einer zukünftigen Podcastfolge.

15/07/2026

🥳 25 % Rabatt in meinem Spreadshop!

Von heute bis einschließlich 19. Juli bekommt Ihr 25 % Rabatt auf Eure Bestellung in meinem Shop.

👉 Zum Spreadshop https://mantrail.myspreadshop.de

Und ich habe den Mädels zugehört: viele haben sich Shirts mit V-Ausschnitt gewünscht – die gibt es jetzt endlich auch. 😊

Schaut Euch einfach in Ruhe um. Vielleicht ist ja etwas dabei, das Euch gefällt – egal ob für das nächste Training, den Alltag oder einfach, weil Ihr die Motive mögt.

Ich hoffe, Ihr findet etwas Schönes und habt viel Freude damit! ❤️

11/07/2026

Ich persönlich finde es kaum vorstellbar, einem Nasentier wie dem Hund ausgerechnet das Schnüffeln in seiner Freizeit verbieten zu wollen.

Ja – während eines Trails möchte ich nicht, dass mein Hund privat schnüffelt. Wenn jeder Grashalm interessanter ist als die Aufgabe, dann muss ich mein Training hinterfragen und attraktiver gestalten – nicht das Schnüffeln verbieten.

Aber auf dem Spaziergang? Da darf ein Hund für mich Hund sein. Er darf riechen, erkunden und Informationen sammeln. Genau dafür ist seine Nase gemacht.

Warum ich diesen Mythos nicht nur für falsch, sondern auch für problematisch halte, darüber schreibe ich heute in meinem WhatsApp-Kanal.

‎Folge dem Kanal Mantrailing, Hundenase und mehr auf WhatsApp: https://whatsapp.com/channel/0029Va8XrDXGZNCjxLRYn908

09/07/2026

🎙️ Neue Podcast-Folge: Mythos 4 - Kurze Nasen

Wenn Anatomie Luft kostet

Diese Folge war mir besonders wichtig.

Kaum ein Thema wird in der Hundewelt so emotional diskutiert wie brachycephale Hunde. Gleichzeitig gibt es kaum ein Thema, bei dem wissenschaftliche Erkenntnisse und persönliche Erfahrungen so häufig miteinander vermischt werden.

In dieser Folge geht es deshalb nicht um Vorurteile gegenüber bestimmten Rassen. Und auch nicht darum, Hunden etwas abzusprechen.

Es geht um die Frage, welche Auswirkungen Anatomie auf Atmung, Geruchswahrnehmung und Belastbarkeit hat. Wir sprechen über BOAS, die oft zitierte Hall-Studie, die Bedeutung von Wärme und darüber, warum Motivation körperliche Grenzen nicht aufhebt.

Vor allem aber geht es um Verantwortung.

Denn die entscheidende Frage lautet aus meiner Sicht nicht:

Was kann ein Hund leisten?

Sondern:

Was dürfen wir von ihm verlangen?

🎧 Ich freue mich, wenn Ihr in die Folge hineinhört.

💬 Und jetzt interessiert mich Eure Meinung:

Wo seht Ihr die Grenze zwischen beeindruckender Leistung und verantwortungsvollem Umgang mit dem Hund?

Bitte diskutiert respektvoll miteinander. Unterschiedliche Meinungen sind willkommen – persönliche Angriffe nicht.

Die neue Folge ist ab sofort auf Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music und allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar.

https://open.spotify.com/episode/0bdG2tuavwY0beLmYHgQYq?si=UFIcKIHfQgW-W4aiaAVtPA&utm_source=copy-link

mantrail | Spreadshop 03/07/2026

💜 Es ist soweit – der Mantrail.at Shop ist online!

Viele von Euch haben mich in den letzten Monaten gefragt, ob es die Sprüche aus dem Podcast und meine Ideen auch auf Shirts geben wird.

Jetzt kann ich endlich sagen: Ja!

Im Shop findet Ihr Designs rund um Geruch, Mantrailing und die faszinierende Welt der Hundenase – mal mit einem Augenzwinkern, mal als klares Statement und manchmal einfach, weil sie genau das ausdrücken, was wir als Mantrailer fühlen.

Ich habe noch viele Ideen im Kopf – und jetzt seid Ihr dran:

💬 Welchen Spruch würdet Ihr sofort auf einem Shirt tragen?
Habt Ihr eine Idee für ein neues Design?
Dann schreibt sie gerne dazu. Wenn ich einen Vorschlag umsetzen möchte, frage ich die Person natürlich vorher um Erlaubnis. 😊

Ich freue mich auf Eure Ideen!

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mantrail | Spreadshop Designs für Mantrailer, Suchhundeteams und alle, die die faszinierende Welt der Hundenase lieben. Wissenschaft trifft Leidenschaft – von Mantrail.at.

02/07/2026

🎙️ Neue Podcast-Folge: Mythos 3 – Die schwere Spur

Es gibt Begriffe, die im Mantrailing so häufig verwendet werden, dass man kaum noch hinterfragt, woher sie eigentlich stammen.

Einer davon ist die schwere Spur.

Doch was wissen wir tatsächlich darüber? Und was glauben wir lediglich zu wissen?

In der neuen Podcast-Folge geht es nicht darum, Traditionen schlechtzureden oder jemanden von einer bestimmten Trainingsphilosophie zu überzeugen. Es geht darum, einen Schritt zurückzutreten und eine wissenschaftliche Frage zu stellen:

Gibt es belastbare Belege dafür, dass Hunde auf einer sogenannten schweren Spur arbeiten?

Oder verwechseln wir manchmal ein plausibles Modell mit einer nachgewiesenen Tatsache?

Mich interessiert Eure Meinung dazu.

➡️ Wie erklärt Ihr Euch, worauf der Hund am Trail arbeitet?
➡️ Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht?
➡️ Gibt es Studien oder Veröffentlichungen, die Ihr in dieser Diskussion für besonders relevant haltet?

Ich freue mich auf einen respektvollen, sachlichen Austausch. Unterschiedliche Meinungen gehören zur Wissenschaft – entscheidend ist, dass wir bereit sind, sie kritisch zu hinterfragen.

🎧 Den Podcast findet Ihr hier:
https://open.spotify.com/episode/3MJhetngMsFOBYTJe6G43j?si=Ip8CERTTSyeWU_6QqZTZIA

27/06/2026

Heute gibt es keinen kurzen Facebook-Beitrag.
Der Text, den ich heute Morgen in meinem WhatsApp-Kanal veröffentlicht habe, ist mir zu wichtig, um ihn zu kürzen. Deshalb teile ich ihn heute bewusst auch hier vollständig.
Ich wünsche mir, dass er zum Nachdenken anregt – unabhängig davon, ob man meiner Meinung zustimmt oder nicht.

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Ein guter Hundeführer sagt manchmal Nein

Manchmal denke ich, ich hätte inzwischen wirklich alles gehört. Und dann gibt es Aussagen, die mich fassungslos machen.

Aktuell liegen die Temperaturen bei uns weit über 30 °C. Genau in dieser Situation lese ich in den sozialen Medien, dass Hundeführer Einsätze nach vermissten Personen bei solchen Bedingungen nicht ablehnen sollten. Begründet wird das damit, dass der Einsatz immer über dem Einsatzmittel Hund stehen müsse – selbst dann, wenn dadurch die Gesundheit des Hundes gefährdet wird.

Ich habe diesen Beitrag mehrmals gelesen. Beim ersten Mal war ich fassungslos. Beim zweiten Mal sprachlos. Und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto wütender wurde ich. Nicht, weil jemand eine andere Meinung vertritt. Unterschiedliche Meinungen gehören zu jeder fachlichen Diskussion. Wütend macht mich, wenn aus einer solchen Aussage eine Haltung wird, die suggeriert, ein verantwortungsvoller Hundeführer müsse seinen Hund unabhängig von den Bedingungen einsetzen. Denn genau hier wird etwas Grundlegendes missverstanden.

Ja, ich suche seit mehr als zwanzig Jahren nach vermissten Menschen. Ich weiß, was solche Einsätze bedeuten. Ich kenne die Hoffnung der Angehörigen, den Druck der Situation und den Wunsch, jede verfügbare Möglichkeit auszuschöpfen. Genau deshalb nehme ich dieses Thema so ernst.

Meine Hunde sind meine Einsatzpartner. Ohne sie könnte ich keinen einzigen Einsatz laufen. Aber sie sind für mich nicht einfach ein Einsatzmittel. Sie sind Lebewesen. Sie sind Familienmitglieder. Ich habe die Verantwortung für sie übernommen, und diese Verantwortung endet nicht in dem Moment, in dem der Melder geht oder eine Alarmierung eingeht. Im Gegenteil: Gerade dann muss ich Entscheidungen treffen, die ihren Schutz gewährleisten.

Ich würde niemals bewusst eine Situation wählen, in der ich das Leben oder die Gesundheit meines Hundes gefährde. Kein Einsatz rechtfertigt das. Kein vermisstes Kind, kein Zeitdruck und kein noch so verständlicher Wunsch zu helfen ändern etwas an dieser Verantwortung. Wer einen Hund führt, entscheidet nicht nur darüber, wann er arbeitet, sondern auch darüber, wann er nicht arbeiten darf.

Interessanterweise würde niemand dieselbe Forderung an andere Einsatzmittel stellen. Niemand käme auf die Idee, einem Hubschrauberpiloten vorzuwerfen, dass er bei dichtem Nebel nicht startet. Niemand würde verlangen, dass eine Feuerwehr ohne Atemschutz in ein brennendes Gebäude geht oder dass Einsatzkräfte trotz akuter Lawinengefahr einen Hang betreten. Jeder akzeptiert, dass es Situationen gibt, in denen das Risiko größer ist als der mögliche Nutzen. Dass ausgerechnet beim Hund häufig anders argumentiert wird, zeigt, wie selbstverständlich manche Menschen offenbar davon ausgehen, dass ein Tier seine Belastungsgrenzen einfach hinnehmen müsse.

Dabei kennen wir diese Belastungsgrenzen sehr genau. Hunde können überschüssige Körperwärme nur in sehr begrenztem Maß abgeben. Anders als Menschen verfügen sie nur über wenige ekkrine Schweißdrüsen an den Pfotenballen, deren Beitrag zur Thermoregulation jedoch gering ist. Die eigentliche Kühlung erfolgt über das Hecheln. Steigen Umgebungstemperatur, Luftfeuchtigkeit und körperliche Belastung gleichzeitig an, gerät dieses Kühlsystem an seine Grenzen. Die Körpertemperatur steigt, der Kreislauf wird belastet und das Risiko für einen Hitzschlag nimmt deutlich zu. Ein Hitzschlag ist dabei keine harmlose Überhitzung, sondern ein lebensbedrohlicher Notfall, bei dem innerhalb kurzer Zeit mehrere Organsysteme geschädigt werden können. Darmbarriere, Blutgerinnung, Gehirn, Leber und Nieren können versagen. Selbst Hunde, die überleben, tragen nicht selten bleibende Schäden davon.

Hinzu kommt ein Aspekt, der häufig unterschätzt wird. Hunde bewegen sich bei einer Personensuche nicht nur durch warme Luft, sondern über oftmals extrem aufgeheizte Untergründe. Asphalt, Beton oder Pflaster können in der Sonne Temperaturen erreichen, die weit über der eigentlichen Lufttemperatur liegen. Der Hund arbeitet dabei nicht in zwei Metern Höhe wie wir Menschen, sondern mit seiner Nase nur wenige Zentimeter über dem Boden – genau dort, wo sich die heißeste Luftschicht befindet und der aufgeheizte Untergrund zusätzlich Wärme abstrahlt. Die Pfotenballen eines Hundes sind zwar robust, enthalten aber zahlreiche Tast-, Wärme- und Schmerzrezeptoren. Sie sind deshalb keineswegs unempfindlich gegenüber Hitze. Wer einen Hund bei extremen Temperaturen arbeiten lässt, belastet ihn somit gleich mehrfach: durch die hohe Umgebungstemperatur, die körperliche Anstrengung, die eingeschränkte Wärmeabgabe und den direkten Kontakt mit aufgeheizten Untergründen.

Und es kommt ein weiterer Aspekt hinzu, der in dieser Diskussion erstaunlich selten angesprochen wird. Extreme Hitze belastet nicht nur den Hund, sondern verändert auch die Geruchsbedingungen selbst. Der Individualgeruch eines Menschen besteht nicht aus einem einzelnen Duftstoff, sondern aus einem komplexen Gemisch aus Hautzellen, Hautsekreten, Stoffwechselprodukten und den flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs), die unter anderem durch das Hautmikrobiom entstehen. Sowohl die Stoffwechselaktivität dieser Mikroorganismen als auch die Freisetzung und Verteilung geruchsrelevanter Moleküle werden durch hohe Temperaturen beeinflusst. Gleichzeitig beschleunigen Sonneneinstrahlung, UV-Strahlung, Verdunstung und Thermik die Veränderung und räumliche Verlagerung dieser Geruchsstoffe. Hinzu kommen trockene Böden, auf denen Geruchsmoleküle häufig schlechter gebunden werden und sich anders ausbreiten als unter günstigeren Bedingungen.

Das bedeutet nicht, dass eine Suche bei hohen Temperaturen grundsätzlich unmöglich ist. Hunde folgen keinem einzelnen Molekül, sondern einem komplexen Geruchsbild, das auch unter schwierigen Bedingungen noch vorhanden sein kann. Wissenschaftlich lässt sich jedoch sehr gut begründen, dass extreme Hitze die olfaktorischen Bedingungen deutlich verschlechtert und damit die Anforderungen an den Hund erheblich erhöht. Ausgerechnet dann, wenn die Geruchsbedingungen schwieriger werden, arbeitet gleichzeitig auch der Hund selbst unter maximalem Hitzestress.

Hinzu kommt, dass ein Hund unter Hitzestress nicht plötzlich besser arbeitet, weil der Einsatz besonders wichtig ist. Mit steigender Körpertemperatur nehmen Konzentration, Ausdauer und körperliche Leistungsfähigkeit nachweislich ab. Das bedeutet nicht nur ein höheres Risiko für den Hund selbst, sondern möglicherweise auch eine geringere Qualität der Suche. Wenn die Geruchsbedingungen gleichzeitig schlechter werden und der Hund körperlich an seine Grenzen kommt, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob unter solchen Bedingungen überhaupt noch die bestmögliche Suchleistung erbracht werden kann.

Es ist deshalb ein Irrtum zu glauben, dass mehr Risiko automatisch mehr Hilfe bedeutet. Wenn die Leistungsfähigkeit des Hundes sinkt und gleichzeitig die Geruchsbedingungen schlechter werden, steigt nicht zwangsläufig die Wahrscheinlichkeit, einen vermissten Menschen zu finden. Es steigt vor allem das Risiko, den Hund gesundheitlich zu gefährden. Tierschutz und Sucherfolg stehen hier nicht im Widerspruch – sie führen vielmehr zur gleichen Schlussfolgerung.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass in solchen Diskussionen vergessen wird, worum es im Tierschutz eigentlich geht. Es geht nicht erst darum einzugreifen, wenn ein Hund zusammenbricht. Es geht darum, Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen, in denen ein vorhersehbares Risiko bewusst in Kauf genommen wird. Verantwortung beginnt nicht beim Notfall, sondern lange davor.

Für mich bedeutet verantwortungsvolles Arbeiten deshalb auch, einen Einsatz abzulehnen, wenn die Bedingungen ein nicht vertretbares Risiko für meinen Hund darstellen. Das hat nichts mit mangelnder Einsatzbereitschaft zu tun. Es bedeutet vielmehr, die Verantwortung ernst zu nehmen, die ich meinem Hund gegenüber habe. Denn am Ende ist er kein austauschbares Einsatzmittel, sondern ein Lebewesen, das mir sein Vertrauen schenkt. Dieses Vertrauen verpflichtet mich dazu, seine Gesundheit höher zu bewerten als den Wunsch, unter allen Umständen helfen zu wollen.

Während ich diesen Text schreibe, läuft gerade unsere Mantrailing-Intensivwoche. Wahrscheinlich haben sich viele Teilnehmer diese Woche anders vorgestellt. Auch wir. Niemand steht freiwillig um drei Uhr morgens auf, um zu trainieren.

Trotzdem beginnen unsere Trainingstage derzeit zwischen 3:00 und 4:00 Uhr. Nicht, weil es besonders spektakulär ist. Sondern weil wir unsere Hunde arbeiten lassen möchten, ohne sie unnötig der Hitze auszusetzen. Unser Ziel ist es, mit dem Training fertig zu sein, bevor die Temperaturen kritisch werden. Wir möchten trainieren – aber wir möchten unsere Hunde dabei nicht gefährden.

Genau das bedeutet für mich Verantwortung. Verantwortung zeigt sich nicht erst im Einsatz. Verantwortung zeigt sich in jeder einzelnen Entscheidung, die wir für unsere Hunde treffen. Manchmal bedeutet sie, früher aufzustehen. Manchmal bedeutet sie, ein Training zu verschieben. Und manchmal bedeutet sie auch, einen Einsatz nicht anzunehmen.

Unsere Hunde würden für uns bis an ihre Grenzen gehen. Genau deshalb ist es unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sie es nicht müssen.

‎Folge dem Kanal Mantrailing, Hundenase und mehr auf WhatsApp: https://whatsapp.com/channel/0029Va8XrDXGZNCjxLRYn908

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Ich freue mich auf einen sachlichen Austausch. Denn am Ende verfolgen wir alle dasselbe Ziel: Menschen zu helfen, ohne dabei unsere Hunde zu verlieren.

Mich interessiert Eure Meinung:
Wo endet für Euch Einsatzbereitschaft – und wo beginnt die Verantwortung gegenüber dem eigenen Hund?

25/06/2026

Herzlichen Glückwunsch!

🐾 Erfolgreiche Vermisstensuche in Forchheim

Vergangene Woche verließ ein 91-jähriger Mann eine Seniorenresidenz in Forchheim und wurde kurz darauf als vermisst gemeldet.
Personensuchhund Anton und Hundeführerin Tittmann nahmen die Spur des als dement geltenden Seniors auf. Nach mehr als 1,5 Kilometer konnten sie den Mann wohlbehalten auffinden und sicher zurückbringen.

Ein starker Einsatz mit glücklichen Ende. 🐶

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