Not for real
Journalist on creative production Mein Interesse gilt neuen Strömungen kreativer, wirtschaftlicher und technologischer Art.
Ich bin als freie Modefachjournalistin in Wien tätig, wo ich die Modeschule Hetzendorf sowie Studien in Linguistik und Public Communication absolviert habe. Dabei habe ich das Handwerk selbst gelernt und weiß, wie es hinter den Kulissen der glamourösen Modewelt aussieht. Bevor ein neuer Artikel entsteht, lese ich viel, um up to date zu sein. Der Stapel an recherchierten Artikeln ist immer höher, als jener der Artikel, die verfasst werden ... woraus notwendigerweise eine Redundanz entsteht. Auf dieser Seite teile ich beides - die gelesenen Artikel, die ich hinsichtlich zukünftiger Strömungen relevant finde und die Artikel, die ich selbst verfasst habe.
30/09/2026
Von der Kunst, Textil hörbar und Sound greifbar zu machen
Textilien erzeugen nicht nur visuelle Reize, sondern auch akustische. Fahnen knattern im Wind und Vorhänge aus einem bestimmten Typ von Seide knistern und rascheln bei jedem Luftzug. Wie diese Eigenschaft die Wahrnehmung von Textilien erweitern und zur ästhetischen Ausdrucksform werden kann, untersuchten Künstler im PEEK Spitzenforschungsprogramm des Wissenschaftsfonds, einem Programm zur Entwicklung und Erschließung der Künste. Der Titel des Projekts: im künstlerischen Forschungsprojekt 'Nexus of Textile and Sound'.
Es begann mit einem Symposium. Forschende verschiedener
Disziplinen waren geladen, um gemeinsam die Begriffe „Nexus“, „Sound“ und „Textil“ zu untersuchen - und Möglichkeiten ihrer Verbindung auszuloten. Hosts waren Gertrud Fischbacher, die am Institut für 'Open Arts' an der Universität Mozarteum unterrichtet und der Multimedia-Experte Marius Schebella vom Creative Technologies Institut an der FH Salzburg. "Die Antworten waren subjektiv – aber auch das sei interessant", so Fischbacher, die das Projekt leitete. "Textil nur als Material oder Technik zu sehen, würde dem Medium nicht gerecht werden. Es hat Textur, ist verformbar und springt wieder in seine Ursprungsform zurück. In Verbindung mit Bewegung zeigt es auch seine klangliche Qualität. Streift man zum Beispiel über eine gegerbte Fischhaut, dann offenbart sich mit dem Klang der rauen Oberfläche auch eine neue sinnliche Dimension.“
Um den Klang der Textilien hörbar zu machen, fertigten die Forschenden Tonaufnahmen an. Teilweise verstärkten oder bearbeiteten sie die Aufnahmen nachträglich, um dem Charakteristischen noch näher zu kommen. Die Objekte, die entstanden, konnten aber nicht nur gesehen und gehört werden. Ein Beispiel ist der Loop - ein Knäuel aus biegsamem aber sperrigem Polyesterstreifen - der im Galerieraum von der Decke herabhing und hin- und herbewegt, geschubst, aufgefangen und umarmt werden durfte. Multimedia Experte Schebella hatte ein Kontaktmikrophon integriert, um die saitenartige Klangqualität der Polyesterstreifen aufzunehmen und verstärkt wiederzugeben. Das Ergebnis war ein donnerartiges Grollen. Erschienen am 29.08.26 in die Presse Wissenschaft. Siehe Link in der Bio >
Foto: LOOP ca. 80 x 80 x 80 cm, Interaktives Sound-Objekt
Fischbacher | Schebella ©2022 © Foto: Rudolf Strobl
https://notforrealweb.com/2026/09/30/von-der-kunst-textil-horbar-und-sound-greifbar-zu-machen/
07/09/2026
Der Austausch von Geschenken – wiewohl ein alter und weitverbreiteter Brauch – bleibt eine ökonomische Anomalie. Dem Geschenk wohnt wie einem Kunstwerk eine Unvorhersehbarkeit inne. Unausgesprochene Verpflichtung und Gegenseitigkeit, die emotional, sozial und hierarchisch ist – gleichzeitig aber auch materiell.
Diese Prämisse als Ausgangspunkt, attestierte die Ausstellung REGIFT im Luma Westbau, dem Kunstwerk und Geschenk gleichermaßen einen Widerstand, vollumfänglich Systemen mit messbarem Wert zugerechnet zu werden. Die ausstellenden Künstler erforschen in ihren Werken wie Geschenke – sowohl materiell als auch symbolisch -Beziehungen durch Zeit, Kultur und Wirtschaft ausverhandeln und die Grenzen zwischen Großzügigkeit und Verpflichtung, Wert und Bedeutung herausfordern.
1) Women's History Museum: Boite de luxure, 2026
Die Arbeit zeichnet die Geschichte der Konfiserie als Symbol romantischer Projektionen und Sehnsüchte des Mainstream nach. Zugleich richtet sie den Blick auf die leeren Verpackungen, die zurückbleiben, sobald die Inhalte konsumiert wurden. Das Künstlerkollektiv arbeitet an der Schnittstelle von Mode und Kunst. Mode fungiert als eine parallele Form des Verpackens als ornamentale Oberfläche, die den Körper umhüllt und zugleich vermarktet.
2) Gina Fischli: Holy Matrimony, 2024
Die Künstlerin untersucht die in sozialen Ritualen eingeschriebenen Machtstrukturen und setzt dabei eine verführerisch süße Bildsprache ein. In dieser Skulptur untersucht sie am Beispiel der Institution Ehe, wie Schönheit, Sentimentalität und Spektakel eingesetzt werden, um geschlechtlich codierte Hierarchien natürlich erscheinen zu lassen.
Eliza Douglas: Sugar C**t, 2024
Die romantisierte Szene ruft die heroische Bildtradition der populären amerikanischen Ikonographie auf. Douglas legt offen, wie kulturelle Archetypen inszeniert, reproduziert und konsumiert werden und dadurch an der Herstellung kolonialer Enteignungsregime beteiligt sind. Sie überführt die Bildsprache amerikanischer Siedlerikonografie in eine Reflexion über Spektakel und weiße Männlichkeit.
REGIFT wurde vom Swiss Institute und der Luma Stiftung koproduziert und war bis 06.09.26 im Luma Westbau zu sehen.
27/08/2026
Als Kind machte Louise Bourgeois am Esstisch aus Brotkrumen Skulpturen, um sich von den verletzenden Bemerkungen ihres Vaters abzulenken. Die Skulpturen stellten ihren Vater dar und sie zerstörte sie nachher heimlich. Eine Praxis, die in ihr künstlerisches Schaffen überging. „The Destruction of the Father“ wurde zum wiederkehrenden Thema.
Fernand Leger war es, der ihr Talent zur Bildhauerei erkannte und damit ein Werk anregte, das tief in der Psychoanalyse verankert ist und als Aufarbeitung ihrer Kindheit gilt. Sie arbeitete experimentell und schuf surrealistische Skulpturen und Installationen. In den 1990er Jahren begann sie Objekte aus Kleidung und Haushaltstextilien zu schaffen. Z.B. nutzte sie für Stofffiguren Kleidungsstücke aus ihrer Kindheit als Füllung sowie als Umhüllung – sie sind Material und Thema, Inhalt und Form.
Inhaltlich geht es in ihren textilen Arbeiten um die Erforschung sexueller Mehrdeutigkeiten und schmerzliche psychische und soziale Beziehungen. Das Schneiden, Reißen, Nähen und Zusammenfügen verband sie mit Wiedergutmachung und dem körperlichen Ausdruck seelischer Spannungen.
Bourgeois stammt aus einer Pariser Familie, die sich mit dem Restaurieren alter Stoffe und Tapisserien beschäftigte. Das Familienleben war durch den rücksichtslosen Vater empfindlich gestört. Er betrog seine Frau offen mit dem englischen Kindermädchen.
Die Mutter war Weberin und verstarb früh an einem Lungenleiden. Sie stand stets vor Wandteppichen und arbeitete mit Fäden. Weshalb Maman im Werk von Bourgeois als Spinne vorkommt - im Sinne einer wohlgesinnten Behüterin. Zu ihr hatte sie ein gutes Verhältnis und beging einen Suizidversuch, als diese starb.
Ihr Bruder wurde 1945 in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Die Geschwister sprachen kaum miteinander. Weshalb er in ihren Arbeiten mit einem Ohr verkörpert wird.
1938 zog Bourgeois nach New York - gemeinsam mit ihrem Mann – dem renommierten Kunsthistoriker Robert Goldwater (1907-1973).
2015 erzielte die Spinne 28,2 Millionen US-Dollar bei Christie's.
1 -2: Louise Bourgeois: Untitled, 1996;
3: in Respite 1962
4-6: Louise Bourgeois: Inner Ear, 1962
21/08/2026
Doris Salcedo, Disremembered XIII, 2023
Hemd aus Nähnadeln und Seidengarn
Doris Salcedo (*1958 in Bogota) ist eine kolumbianische Plastikerin und Installationskünstlerin. Sie setzt sich mit Schmerz, Trauma und Verlust auseinander.
Disremembered XIII entstand aus Salcedos Begegnungen mit amerikanischen Müttern, die ihre Kinder durch Waffengewalt verloren haben. Das Hemd besteht aus Seidenfäden und wird von 12. - 15.000 Nadeln zusammengehalten. In seiner Fragilität erinnert es an das Leiden der Angehörigen - an den schrecklichen Verlust und an den Mangel an Empathie und Unterstützung in der Gesellschaft.
Das Hemd symbolisiert den traditionellen Bestattungsritus - das Weben von Leichentüchern als Akt der Verehrung für einen geliebten Menschen. Doch seine Fragilität ist trügerisch. Die Nadeln machen das Tragen des Kleidungsstücks zur Qual - und schaffen Assoziationen zum traditionellen Büßerhemds.
Salcedo selbst bezeichnet sich als "Third World Activist". Ihr Werk ist von ihren persönlichen Lebenserfahrungen in Kolumbien beeinflusst und beruht auf langjährigen sozialen Recherchen. Mitglieder ihrer eigenen Familie gehörten zu den Desaparecido (spanisch; die Verschwundenen). Das ist eine in vielen Ländern Mittel- und Südamerikas übliche Bezeichnung für Menschen, die von staatlichen oder quasi-staatlichen Sicherheitskräften heimlich festgenommen oder entführt und anschließend gefoltert und ermordet wurden. Der Begriff erklärt sich aus der von den 1960er- bis in die 1990er-Jahre üblichen Praxis der Militärdiktaturen in Südamerika.
Das Werk war zuletzt in der Fondation Beyeler zu sehen.
06/07/2026
🔥 Marie Adam Leenaerdt is the winner of the prestigious Andam Prize 2026! #
https://www.instagram.com/p/DaSM2YZl_NN/?img_index=1&igsh=MXh6cnp5bDRmOG1lOQ==
Merci 🤍 @andamfashionawards @alexandremattiussi9 @nathalie_dufour
13/06/2026
„Seen now, the story feels like a parable. The marathon as an allegory for fashion’s pace, relentless and competitive, was prescient. The late 1990s already accelerated toward the 24/7 cycle that defines today.“
Photo: Fashion Marathon by Steven Meisel in the beginning of the 1990ies
The Steven Meisel shoot in which the fashion industry is a glamorous and cruel dance competition. Alessia Glaviano, head of Global PhotoVogue, writes a letter about Meisel's ‘Fashion Marathon’ shoot from the March 1997 issue of Vogue Italia.
17/05/2026
❤️ To Miuccia a skirt is like a t-shirt. She differs in different kinds with sometimes ironic names like ‚tourist-skirt‘. See and listen to her own words:
https://www.instagram.com/reel/DYKXFE4thRg/?igsh=MWN1dWdhNHF6eGo5Mg==
MP on skirts…💭💕Happy birthday Miuccia! 🎥 via YT/ Charlie Rose #MiucciaPrada #Perfect
06/04/2026
Adriano Goldschmied - Godfather of Denim - ist tot
Goldschmied wurde 1944 im italienischen Ivrea in eine wohlhabende jüdische Familie aus Triest geboren. Er erlangte als ‘The Godfather of Denim’ (Der Pate des Denims) Bekanntheit und arbeitete über 50 Jahre in der Branche. Er hat unter anderem Diesel mitgegründet und die eigenen Marken AG und Goldsign ins Leben gerufen. Zu seinen Errungenschaften zählen die Erfindung der Stonewash-Technik, das Experimentieren mit und der Einsatz von Tencel-Fasern sowie die Entwicklung von Super-Stretch-Denim. In den 90er-Jahren begann er mit der Einführung nachhaltiger Methoden.
Goldschmied arbeitete bis zuletzt an einer Reihe von Projekten. Am 5. April erlag er im Alter von 82 Jahren im italienischen Castelfranco Veneto einem Krebsleiden.
Addio ad Adriano Goldschmied, padrino del denim e pioniere nell'innovazione e nella sostenibilità E' mancato oggi, a 82 anni, a Castelfranco Veneto, Adriano Goldschmied, il padrino del denim, conosciuto ovunque per i marchi che aveva creato e per il suo...
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04/05/2026