Seppo Gaube
Autor & Poet. Nirgendwo daheim, überall zuhause. Geboren 1948 in Myrzo, jenem rauen Grenzposten der Steiermark gegen den Semmering zu.
So auch sein Wesen: zärtlich wie eine Brennnessel und gefühlvoll wie eine Distel. Bibliothekar, war kurz auch Politiker, vor allem aber ein zerstreuter Poet sowie ein unermüdlich Schreibender. Das Papier sein Leben, die Tinte sein Blut. Ständig betrunken von einer prickelnden Liebe zum Leben. Möchte eines Tages den Alpha Centauri besuchen, da er dort die schönsten Frauen des Universums vermutet. I
Der Herbst lud mich ein durch seine Wälder und Felder zu wandern, durch die Wiesen und Äcker. Meine Augen konnten sich nicht sattsehen an den unzähligen Farben, jeder Farbton erzeugte in mir alte Erinnerungen... das Kind in mir erwachte, wenn ich damals durch die Gräser lief und laut lachte vor Freude, der Teenager meldete sich, sein erstes Rendezvous fiel ihm ein, der erste Kuss, später die Wanderungen mit seinen Freunden, wenn die Nebel noch die Täler umhüllten und sie schon nahe dem Gipfel kamen... bei den Windböen sah er noch die papierenen Drachen, die er versuchte steigen zu lassen, was aber nur selten wirklich gelang... quer durch die Jahre liebte ich den Herbst immer besonders, er inspirierte mich zu manchem Gedicht oder Brief, den ich an einen Freund oder einer Geliebten schrieb.
Heute spüre ich selber den Herbst in mir, mein Körper gleicht manchmal der zerzausten Kiefer am Wege zum Eisernen Tor, aber der Herbst hat auch eine eigene, versöhnliche Schwingung, er ist auch der Erntebringer, wo alles in die Scheune gebracht wird, was zuvor wuchs und blühte. Die Ernte meines Lebens, sie läßt mich oft nachdenken, ob ich anders gekonnt hätte, damals, aber ich weiß, daß es müßig ist, ich war immer ein Narr und ein Sturkopf, der mit dem Kopf durch die Wand wollte... wollte alle Menschen um mich herum glücklich machen, habe dabei aber so manchen enttäuscht und verletzt... die Farben des Herbstes bedeuten für mich auch Vergessen und Verzeihen, es hat keinen Sinn, jetzt alles aufzurechnen und mit dem Schicksal abzurechnen. Die kommenden Jahre werden Verluste und Abschiede bringen, aber dennoch wage ich noch einmal den Schritt in eine neue Liebe, bin bereit zum Gewinnen wie auch zum Verlieren. Gegenwinde wehen, sie treiben mir oft Tränen in die Augen, ich gehe den schmalen Pfad aber weiter, hinauf zur goldenen Anhöhe, wo sich ein fantastischer Ausblick auf alle Täler und Orte meines bisherigen Lebens öffnet. Die Welt war ein Teil von mir und ich ein Teil dieser Welt. Einige Menschen waren die ganze Welt für mich, ich habe sie geliebt... und auch wieder verloren. Aber es ist unendlich schön zu leben, es wird am Ende auch schön gewesen sein, gelebt zu haben. Was werde ich dieser Welt hinterlassen: meine Gedichte, meine Poesie, meine abendlichen Gebete, die ich zu den Sternen am Himmel schickte, meine Träume, die mit dem Glitzern der Sterne für immer am Firmament bleiben werden.
Ja, der Herbst schenkt mir Weite und Tiefe. Ich liebe ihn, selbst wenn er mich manchmal auch tieftraurig macht. Er versöhnt mich dann wieder mit seinen Früchten, die ich andächtig verzehre. So manche harte Nuss ist manchmal dabei, die zu knacken mir alles abverlangt. So ist das Leben.
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