Martin Schulz
Glühender Sozialdemokrat.
23/04/2026
Ich bin ja bekanntermaßen ein leidenschaftlicher Leser; ich nutze jede kurze Pause, die sich dafür bietet. Ich lese überall, wo ich kann – im Auto auf dem Weg zu Terminen, am Bahnhof, im Flughafen. Manchmal helfen mir die Geschichten der Romane auch dabei, aktuelle Politik besser zu verstehen und einzuordnen.
Deshalb will ich heute, zum Welttag des Buches, einen alten Klassiker empfehlen: „Der Pate“ von Mario Puzo ist ein wirklich fabelhafter und hochspannender Roman über eine Mafia-Familie im New York in den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts; mittlerweile ist der Roman selbst schon weit über 50 Jahre alt.
Viele kennen die großartige Verfilmung von Francis Ford Coppola mit Marlon Brando als Don Corleone und Al Pacino als Michael Corleone. Der Film wird seiner literarischen Vorlage wirklich gerecht, und das ist ja selten. Aber ich habe als junger Mann zuerst das Buch gelesen, und zwar mit großem Genuss.
Mario Puzo hat in seinem Roman hervorragend herausgearbeitet, wie das Prinzip der Mafia funktioniert: Gib mir Geld, dann beschütze ich dich vor mir selbst.
Ich muss sagen: Die aktuelle Zollpolitik der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika erinnert mich in gewisser Weise an diesen Roman, den ich wirklich empfehlen möchte – nicht nur zum besseren Verständnis der aktuellen US-Regierung.
20/04/2026
Gestern hatte ich die große Ehre, den brasilianischen Staatspräsidenten Lula da Silva in Hannover zu treffen. Uns verbindet seit vielen Jahren eine enge Freundschaft, die aus unseren gemeinsamen sozialdemokratischen Überzeugungen erwachsen ist: Dass alle Menschen ein Recht auf ein Leben in Frieden und Wohlstand haben und dass die private Anhäufung von extremem Reichtum dem Gemeinwohl schadet.
Lula beklagte, dass das höchste Gremium zur Wahrung des Friedens – der UN-Sicherheitsrat – seiner Verantwortung nicht mehr gerecht werde. Die Reform der Vereinten Nationen sei deshalb das Gebot der Stunde. Bereits beim Treffen der progressiven Staats- und Regierungschefs in Barcelona hatte Lula im Wochenende zurecht scharfe Kritik am US-Präsidenten geäußert: »Trump hat nicht das Recht, morgens aufzustehen und ein Land zu bedrohen.«
Demokratinnen und Demokraten müssen jetzt zusammenstehen, um die multilaterale Ordnung und die Demokratie zu verteidigen. Wir setzen gemeinsam auf die Stärke des Rechts statt auf das Recht des Stärkeren. Deshalb ist der Besuch Lulas in Deutschland so wichtig. Es ist Zeit, dass wir noch enger zusammenrücken, um uns gegen gegenseitig zur stärken. Auch in Brasilien steht in diesem Wahljahr viel auf dem Spiel. Ich wünsche meinem Freund dafür von Herzen muito sucesso - viel Erfolg.
13/04/2026
Zur Wahl in Ungarn. 🇭🇺🇪🇺
10/11/2025
Das Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Zick hat am vergangenen Donnerstag die neue Mitte-Studie in Berlin vorgestellt. Seit 2006 untersucht die Mitte-Studie alle zwei Jahre den Stand der rechtsextremen, menschenfeindlichen und demokratiegefährdenden Einstellungen in Deutschland auf der Basis einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage. Sie ist ein Flaggschiff der Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung, und ist die Publikation, die mit Abstand am meisten zitiert wird.
Es gibt einige gute Nachrichten in der Studie. Die für mich wichtigste: Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland, rund dreiviertel, sind demokratisch eingestellt und lehnen Rechtsextremismus ab. Aber es gibt auch beunruhigende Botschaften: Die Indifferenz zu Antidemokratischem oder Menschenfeindlichem nimmt leider zu, genauso wie generelles Demokratiemisstrauen.
Zur Mitte-Studie: https://www.fes.de/mitte-studie
(Foto: Bundesfoto/Laurin Schmid)
07/11/2025
Gemeinsam mit Anke Rehlinger war ich in der Deutschen Botschaft in Paris, um die deutsch-französischen Beziehungen zu vertiefen. Seit 40 Jahren organisiert unser FES-Büro in Paris dort den wichtigen Austausch. Das sind gelebte deutsch-französische Beziehungen.
Die beiden größten Demokratien der EU stehen derzeit unter Druck von rechts. Umso wichtiger ist unsere enge Zusammenarbeit mit unseren französischen Partnerinnen und Partnern für die Verteidigung unserer gemeinsamen demokratischen Werte.
(Fotos: FES Paris / Mathieu Gug)
14/05/2025
José „Pepe“ Mujica ist gestorben. Der ehemalige Präsident Uruguays war in seiner gradlinigen, unbeugsamen und zugleich von tiefer Menschlichkeit geprägten Haltung für jeden aufrechten Linken ein großes Vorbild.
Ich hatte das Privileg, mit ihm über die Herausforderungen von Demokratie und sozialer Gerechtigkeit ausführlich zu diskutieren - beides Themen, die ihm sehr am Herzen lagen, weil er wusste, dass echte gesellschaftliche Veränderungen nur durch mehr Gleichheit und Solidarität möglich sind.
Mujica war ein unermüdlicher Kämpfer für eine gerechtere Welt. Er war ein Mensch, der mit seinen Worten und vor allem mit seinem Lebensbeispiel andere zu inspirieren vermochte. Sein Vermächtnis als Präsident geht über Grenzen und Generationen hinaus. Uruguay, Lateinamerika und die ganze Welt haben eine außergewöhnliche Führungspersönlichkeit verloren.
Sein Geist wird in denen von uns weiterleben, die weiterhin an die Möglichkeit einer gerechteren Zukunft glauben.
Ich bin dankbar, dass ich ihm begegnen durfte.
Mein herzliches Beileid an seine Lebensgefährtin und andere Angehörige sowie an das uruguayische Volk in dieser Zeit. Danke, Pepe!
Meine drei Lese-Empfehlungen zum Thema Verlust und Gesellschaft 📚
Andreas Reckwitz: Verlust. Ein Grundproblem der Moderne. Suhrkamp Verlag.
Herfried Münkler: Geopolitik à la Trump. Vom Ende des transatlantischen Westens. In Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte.
Han Kang: Unmöglicher Abschied. Aufbau Verlag.
Was sind eure Lese-Empfehlungen zum Thema Verlust und Gesellschaft? Schreibt’s gern in die Kommentare. Zu den Büchern: https://linktr.ee/martinschulz
23/04/2025
Bücher sind ein wesentlicher Bestandteil meines Alltags. Aber manchmal schleiche ich auch um Bücher herum, kaufe sie zwar, aber lege sie mal hier- und mal dorthin, und zögere, sie zu lesen.
So ging es mir auch mit dem Buch „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante. Kürzlich las ich eine Rezension von Denis Scheck über dieses Buch und habe mich dann doch entschlossen, es zu lesen. Eine bezaubernde Geschichte der Freundschaft zweier Mädchen, die Geschichte ihrer Kindheit und frühen Jugend in einem der ärmeren Viertel Neapels am Ende der 50er Jahre, wo die Möglichkeit auf Bildung noch direkt vom Einkommen der Eltern abhing. Am Ende des Buches war ich über mich enttäuscht, dass ich es so lange nicht gelesen hatte. Ein grandioses Werk!
Heute, zum Welttag des Buches, möchte ich alle ermutigen, die auch schon lange um ein Buch herumschleichen. Legt das Handy weg, nehmt euch etwas Zeit fürs Lesen, und lasst euch ein auf eine neue Geschichte, auf andere Erfahrungen, auf echte Emotionen. Es lohnt sich fast immer!
15/04/2025
Meine Gedanken zum Koalitionsvertrag.
14/03/2025
Das war ein schönes 100. Geburtstagsfest der Friedrich-Ebert-Stiftung!
Viele besondere Gäste wie Bundeskanzler Olaf Scholz haben uns be- und geehrt. In den Reden ging es um den Schutz der Demokratie, den Kampf gegen soziale Ungleichheit und die Verantwortung, in einer polarisierten Welt ein geeintes, handlungsfähiges Europa zu schaffen, das sich für Frieden, Gerechtigkeit und Teilhabe einsetzt.
Zum Geburtstag ging es aber auch konkret um positive Erfahrungen mit der FES: Der Präsident des Europäischen Rates, António Costa, der an die Gründung der sozialistischen Partei Portugals im FES-Seminarhaus in Bad Münstereifel erinnerte. Der SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzende Lars Klingbeil, der hervorhob, dass Deutschlands positive Rolle in der Welt getragen wird von „Soft Power“ – zu der auch die FES gehört, wenn sie ausländische Perspektiven nach Deutschland spiegelt und umgekehrt.
Und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der in seiner Rede herausstellte, dass sein Studium und damit seine Karriere ohne das Stipendium der FES wohl nicht möglich gewesen wäre. Ein Musterbeispiel für Eberts Vermächtnis, der ja wollte, dass begabte Kinder aus der Arbeiterschaft studieren können, damit sie befähigt sind in der Demokratie Verantwortung zu übernehmen. Auch das Glück durchdiskutierter Seminarnächte und der Netzwerkcharakter der FES wurde gepriesen. All dies steht für die Erfolgsgeschichte der FES als Demokratie-Stiftung.
Und sie hat noch viel vor: Wir erleben aktuell, wie Antidemokraten wieder an Kraft gewinnen, weil das Vertrauen in die demokratische Gestaltungsmacht schwindet. Die FES arbeitet mit daran, dass die Vorteile von Demokratie wieder für die Vielen erfahrbar werden: Demokratische Politik muss konkret erlebbar sein, muss Lösungsfähigkeit beweisen, auch durch die Kunst des Kompromisses, muss konkreten Mehrwert für die Menschen in ihrem Alltag bieten.
Es wird darum gehen, mehr Begegnungen zu ermöglichen und gegenseitiges Verständnis, Respekt und Vertrauen zu schaffen. Damit die Demokratie in Deutschland stark bleiben kann!
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