Roderick spielt so fast jedes Instrument das Saiten hat, manchmal singt er auch dazu.
Im Jahr des Herrn 2016 wollte der Winter einfach kein Ende nehmen und Baron Lucian von Grabensee hielt es nicht länger am heimischen Herd aus und zog über eisige Straßen in die Residenzstadt des Fürsten, um sich unter Gauklern herum zu treiben und zu erfahren, was es so Neues in der großen fernen Stadt gab. In einer schlecht beleumundeten Spelunke traf er eine Schar irischer Barden, die mehr dem G
erstensaft und dem Braten zusprachen, als ihre Kunst zu pflegen. Hier hörte er zu später Stunde von einem Trommler, dass ein gar sonderbarer Lautenspieler in der Stadt war, der zwar seinen Instrumenten gar magische Klänge entlocken könne, aber derzeit in keiner Gauklertruppe aufspielte. Lucian ließ sich den Weg zur Höhle beschreiben in dem dieser Lautenspieler tief unter der Erde hauste. Zögernd betrat er die Gänge, die vor Jahrhunderten von vielen Arbeitern in den Stein getrieben wurden und heute als Unterschlupf für Rüdiger von Ertpurch dienen. Auch wenn Rüdiger bisher eher der Musik der irischen und nordischen Barden zugetan war, überlegte Lucian, dass dieser Saitenakrobat sein Gauklerduo zu einem Trio komplettieren könnte.
„Welche Laune des Schicksals hat dich in diese Höhle verschlagen, Rüdiger“, wollte Lucian wissen. „Mir hat das Leben gar übel mitgespielt.“ meinte Rüdiger. „Vor langer Zeit wurde ich als Sohn eines verarmten Edelmannes geboren. Da ich mich nicht für das blutige Handwerk des Grundherren und Herrschers über Bauern und Soldaten eignete, musste ich in einen geistlichen Orden eintreten. Ich zeigte gute Anlagen, so beschloss der Abt mich ins sonnige Italien zu senden, um dort an der Universität von Bologna zu studieren. Aber ich wollte mich nicht auf die Juristerei und die Theologie beschränken und studierte auch eifrig Philosophie. Ich wollte schon in jungen Jahren viel von der Welt sehen, so trieben mich meine Studienreisen über Griechenland bis in die Länder der Sarazenen, wo ich eifrig deren Kultur studierte. Ich kehrte nach Beendigung meiner Studien in das heimatliche Ordenshaus zurück. Zuerst war die Freude des Abts und auch meines Vaters sehr groß, da ich durch mein Wissen ihre Grundherrschaften reformierte, sodaß die Güter des Klosters und der Grafschaft meines Vaters mehr erwirtschafteten als je zuvor. Doch brachte ich aus den fernen Ländern auch viele fremde Ideen mit, die nicht den Gefallen meiner Herren fanden. Ich musste meine Heimat verlassen und friste hier mein karges Dasein als Herold, Schaukämpfer und Gaukler.“
Lucian vernahm die tragische Geschichte des Musikus und bot ihm einen Platz in seiner zusammengewürfelten Gauklerbande an und sie begannen mit Florian von Grabensee musikalische Schandtaten für den Sommer zu planen. Die drei Musiker machen sich nun unter dem Namen Tenebraes Vagantes zu neuen Heldentaten auf. Sie werden auch bald auf einem Markt in Eurer Nähe ihre Lauten, Trommeln und Pfeifen erschallen lassen.